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„China bleibt Wachstumslokomotive für ausländische Unternehmen“

 

Chinas Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 6,9 Prozent gewachsen - etwas stärker als erwartet. Gleichzeitig sitzen chinesische Unternehmen auf gewaltigen Schuldenbergen.

Fragen an Max J. Zenglein, Senior Economist am Mercator Institut für Chinastudien (MERICS):

Eine offizielle Wachstumsrate 2017 von 6,9 Prozent  -  vor einem Jahr hätte niemand mit einem derart starken Wachstum gerechnet. Was steckt dahinter?

Die chinesische Wirtschaft konnte unter anderem vom anziehenden Wachstum in wichtigen Exportmärkten wie der EU oder den USA profitieren. Erstmals sei 2008 trug der Außenhandel wieder zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bei. Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Kreditwachstums sowie zur Stärkung des Umweltschutzes, die im vierten Quartal 2017 ausgeweitet wurden, haben sich bisher noch nicht auf das Wachstum durchgeschlagen. Zusammen mit einem überraschend starken Industriesektor, der erstmals seit 2010 wieder deutlich zulegte, sowie dem weiterhin hohen Wachstumsniveau bei Investitionen und Dienstleistungen konnte das BIP im vergangenen Jahr die Erwartungen übertreffen.

Wird sich das robuste Wachstum in China auch in diesem Jahr fortsetzen?

Es ist davon auszugehen, dass sich das Wachstum 2018 leicht verlangsamen wird. Das höhere Wachstumsniveau in 2017 schafft der Regierung Spielräume, um notwendige Strukturreformen voranzubringen. Allerdings sind dem auch enge Grenzen gesetzt. Denn um im Vorfeld des 100-jährigen Jubiläums der Kommunistischen Partei Chinas im Jahr 2021 sollen sich das BIP und die Einkommen auf Basis der Werte von 2010 verdoppeln – das zumindest hat die Parteiführung zugesagt. Nach unseren Berechnungen wird dazu über die nächsten drei Jahre ein durchschnittliches Wachstum von jährlich 6,4 Prozent nötig sein.  

Gute Wachstumsaussichten, das ist die gute Nachricht. Chinas Unternehmen sitzen aber auch auf gewaltigen Schuldenbergen. Wo liegen die größten Risiken und Unwägbarkeiten in der Wirtschaftsentwicklung?

Neben den Unternehmen sind vor allem Kommunalregierungen zum Teil stark verschuldet. Hinzu kommt ein unausgereiftes und unübersichtliches Finanzsystem. Die Regierung ist sich der Problematik bewusst und versucht durch regulatorische Eingriffe das Risiko einer Finanzmarktkrise, wie sie viele Entwicklungsländer nach Phasen des schnellen Wirtschaftsaufschwungs durchlaufen haben, zu reduzieren. Die Maßnahmen der letzten Monate haben zwar der Anstieg der Verschuldung leicht verlangsamt, eine Umkehrung ist bislang aber nicht in Sicht.

Neben der Verschuldung versucht die Regierung auch andere Risiken für die Wirtschaft zu reduzieren. Dazu zählen weiterhin industrielle Überkapazitäten und ein teilweise überhitzter Immobilienmarkt. Das ständige staatliche Eingreifen in das Wirtschaftsgesehen – zur Wahrung der Stabilität, wie es offiziell heißt - birgt aber auch Gefahren. So haben etwa Interventionen der Regierung in der Kohlebranche in diesem Winter zu Engpässen bei der Wärmeversorgung geführt.

Die guten Wachstumszahlen 2017 und die Aussichten für 2018 – was bedeutet das für deutsche und europäische Unternehmen?

Ausländische Unternehmen können sich weiterhin auf China als Wachstumslokomotive verlassen. Das anhaltende hohe Wachstumsniveau wird sich auch 2018 positiv auf deutsche und europäische Unternehmen auswirken. Im Zuge der Bestrebungen, die Industrie zu modernisieren und den Umweltschutz zu stärken, bieten sich neue Möglichkeiten. Allerdings strebt die chinesische Regierung gleichzeitig die Stärkung der heimischen Unternehmen an, so dass je nach Sektor der Konkurrenzdruck nicht nur innerhalb Chinas, sondern auch auf den globalen Märkten zunehmen wird.

 

Lesen Sie hier die neueste Ausgabe der vierteljährlichen Wirtschaftsanalyse „MERICS Economic Indicators“. 

 

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