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Zusammenarbeit statt Konfrontation: China trifft Europa auf dem "Hamburg Summit"

"China trifft Europa" - unter diesem Motto haben sich am 23. und 24. November etwa 550 Unternehmer und Vertreter von Stiftungen, Wirtschaftsverbänden und politischen Institutionen aus China, Deutschland und anderen EU-Staaten auf dem sieben Hamburg Summit ausgetauscht. Das Treffen war hochrangig besetzt: Die chinesische Regierung hatte Vize-Ministerpräsidentin Liu Yandong in die Hansestadt entsandt, die Bundesregierung wurde durch Außenminister Frank-Walter Steinmeier vertreten, die EU durch Kommissionsvize Jyrki Katainen. MERICS war bereits zum zweiten Mal akademischer Partner der Konferenz.

Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder ermunterte in seiner Begrüßungsrede die Teilnehmer zu offenem Austausch: "Zusammenarbeit statt Konfrontation sollte die Beziehung zwischen unseren Ländern prägen, auch wenn wir in verschiedenen Systemen leben", sagte Schröder, der erstmals den Ehrenvorsitz des Hamburg Summits übernahm.

Auf den zahlreichen Panels wurde über die Digitalisierung der chinesischen Industrie, die Internationalisierung der chinesischen Währung und Investitionsflüsse zwischen China und Europa diskutiert. Auf einem von MERICS veranstalteten Thinktank-Panel diskutierte Institutsdirektor Sebastian Heilmann mit Rolf J. Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel und dem Financial-Times-Journalisten James Kynge über die Auswirkungen der Globalisierung und die schwierige Frage, inwieweit Chinas wirtschaftliches und politisches System womöglich zum Vorbild für andere Staaten werden könnte. "Westliche Länder sollten sich vor Selbstzufriedenheit hüten", sagte Heilmann.

Viele Gespräche standen unter dem Eindruck des schwierigen Jahres, das insbesondere Europa mit dem Brexit, dem Rechtsruck in vielen Staaten und die anhaltende Flüchtlingskrise erlebt. Chinas Wirtschaft wiederum wächst deutlich langsamer als zuvor, die Regierung steht unter Druck, einen grundlegenden strukturellen Umbau anzugehen.

Für lebhafte Debatten sorgten die in diesem Jahr stark gestiegenen chinesischen Investitionen in Europa. Manche Redner waren skeptisch, dass Europa von dem Einstieg Chinas in Hightech-Firmen wie den deutschen Roboterbauer Kuka wirtschaftlich profitieren könnte und warnten vor ungewolltem Technologietransfer. Andere sprachen sich hingegen für mehr Zusammenarbeit auch bei Investitionen aus, da dies sowohl der chinesischen als auch der europäischen Wirtschaft nütze.

Die Konferenzteilnehmer kamen schließlich zu einer optimistischen Einschätzung: Mehr als zwei Drittel sahen laut einer vor Ort durchgeführten Online-Umfrage eher eine Chance in der chinesischen Investitionswelle, 32 Prozent bewerteten sie als Risiko. Der Präsident der Handelskammer Hamburg, Fritz Horst Melsheimer, forderte den Abschluss eines Investitionsabkommens zwischen der EU und China möglichst bereits 2017, um die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen auf eine "solidere Rechtsbasis" zu stellen.

Auch der Wahlsieg Donald Trumps in den USA beschäftigte die Konferenzteilnehmer. Sollte dieser als US-Präsident seine Ankündigungen aus dem Wahlkampf wahrmachen, einen protektionistischen Kurs einschlagen und multilaterale Abkommen aufkündigen, wären sowohl Europa als auch China herausgefordert. China werde durch Trumps Sieg noch stärker in eine internationale Führungsrolle gedrängt, sagte etwa der frühere Außenminister Joschka Fischer in einem Podiumsgespräch mit dem "Zeit"-Journalisten Jochen Bittner. "China wird die Macht des 21. Jahrhunderts werden." Die EU müsse in dieser Situation aktiv werden und sich als "Macht mit strategischen Interessen" definieren. "Wir können China nicht die Schuld daran geben, dass es exisitiert."

Am Ende der intensiven zwei Tage stand die Erkenntnis, das mehr sino-europäische Kooperation nötig ist. Auch MERICS-Direktor Sebastian Heilmann sprach sich dafür aus, stärker nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Trotz des "gemischten Bildes", das die chinesische Wirtschaft derzeit abgebe, müsse Europa in ausgewählten Bereichen besser mit China interagieren. Dazu gehöre die sogenannte Seidenstraßen-Initiative (Belt and Road) und die Innovationsstrategie "Made in China 2025". Heilmanns Fazit: "Die europäisch-chinesische Wirtschaftskooperation braucht einen Neustart".

Der Hamburg Summit wird alle zwei Jahre von der Handelskammer Hamburg organisiert, auf chinesischer Seite wirkten in diesem Jahr der Industrieverband CFIE und der Dienstleistungsverband CATIS mit. MERICS ist seit 2014 akademischer Partner. Auf dem Summit gaben MERICS-Mitarbeiter auch eine erste Vorausschau auf die Studie "Made in China 2025 The making of a high-tech superpower and its implications for industrial countries"

Get-together in the Hall of Commerce at the HK Hamburg. Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Guo Jie, CFO, Chengdu Zhongde Techcent Investment Co. Ltd., Gordon Riske, CEO, KION GROUP AG, Sun Yi, Head of China Business, EY, and moderator Mikko Huotari, Head of Programme Foreign Relations, MERICS, at the panel: EU – China investment cooperation – a European era of Chinese capital? Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Prof. Sebastian Heilmann, President, MERICS and Prof. Mao Zhenhua, Chairman, China Chengxin Credit Management Co. Ltd. at the panel: China's economic transition - a challenge for a fragile global economy? Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Björn Conrad, Vice President Research, MERICS greets Prof. Mao Zhenhua, Chairman, China Chengxin Credit Management Co. Ltd. at the panel: A new global trade order shaped by regional trade agreements – what’s in it for China and the EU? Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Jost Wübbeke, Head of Programme Economy & Technology, MERICS and Jaqueline Ives, Research Assiciate, MERICS present first findings of the study "Made in China 2025 The making of a high-tech superpower and its implications for industrial countries". Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier and Vice Premier Liu Yandong engaged in conversation in the Börsensaal at the HK Hamburg. Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Dr. Richard Weber, President, EUROCHAMBRES, Nathalie Errard, Senior Vice President, Airbus Group and Björn Conrad, Vice President Research, MERICS immersed in the discussion of the panel: A new global trade order shaped by regional trade agreements – what’s in it for China and the EU? Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Prof. Sebastian Heilmann, President, MERICS and James Kynge, Emerging Markets Editor, Financial Times at the MERICS Think - Tank Panel: China’s economic policy - what can we expect? Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Jost Wübbeke, Head of Programme Economy & Technology, MERICS and Björn Conrad, Vice President Research, MERICS at a press conference on the study "Made in China 2025 The making of a high-tech superpower and its implications for industrial countries". Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer Researcher of the MERICS exchanging their views with guests of the Hamburg Summit. Source: Hamburg Chamber of Commerce, Photographers: Roland Magunia / Krafft Angerer