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MERICS China Monitor Nr. 39

Chinas gesellschaftliches Bonitätssystem:

Marktregulierung durch Big Data hat weitreichende Auswirkungen auf Firmen in China

China entwickelt derzeit ein ambitioniertes gesellschaftliches Bonitätssystem: Auf Basis einer umfassenden digitalen Vernetzung und Datensammlung soll das Verhalten von Bürgern und Unternehmen umfangreich erfasst, registriert und reguliert werden. Die internationale Aufmerksamkeit konzentriert sich vor allem auf die Auswirkungen dieses „Social Credit Systems“ – so der englische Begriff – auf Individuen. Doch hauptsächlich geht es der chinesischen Regierung darum, das Verhalten von Markt-Teilnehmern effektiver zu kontrollieren.

Im neuen MERICS China Monitor „Chinas gesellschaftliches Bonitätssystem“ beleuchtet Mirjam Meissner, Leiterin des MERICS-Programmbereichs Wirtschaft und Technologie, welche Auswirkungen das Bonitätssystem auf Unternehmen haben dürfte und wie das System funktionieren soll. Big Data, schreibt Meissner, ist der Schlüssel für die Realisierung der ambitionierten Pläne der Regierung. Angesichts der rasanten Digitalisierung in China ist das Potential für das Sammeln von Daten und für die Echtzeit-Kontrolle aber nahezu grenzenlos. Bis 2020 sollen die Grundzüge des Systems landesweit umgesetzt sein.

Das Bonitätssystem geht weit über die Prüfung der Kreditwürdigkeit hinaus, die in Deutschland zum Beispiel die Schufa übernimmt. Dort kommt es wie bei ähnlichen Prüforganen in anderen europäischen Ländern oder den USA darauf an, dass ein Kreditnehmer bestimmte finanzielle Bedingungen erfüllt. Chinas System geht deutlich weiter: Bei der Berechnung der Bonität sollen soziales und politisches Verhalten einbezogen werden. Unternehmen müssen sich daran messen lassen, ob sie umweltfreundlich produzieren, ihre Versprechen an Verbraucher halten oder Vorgaben der Regierung umsetzen.

Eine Firma beispielsweise, die einen Kredit nicht fristgerecht zurückzahlt oder bei der Emissionskontrolle schlampt, muss dann damit rechnen, im Ranking abzurutschen, was empfindliche Strafen nach sich ziehen kann: höhere Steuern etwa oder den Ausschluss von öffentlichen Ausschreibungen. 

Internationale Firmen in China stellt das gesellschaftliche Bonitätssystem vor große Herausforderungen. Sie müssen sich voraussichtlich in das System integrieren lassen, was eine Beschneidung ihrer unternehmerischen Freiheiten zur Folge haben könnte. Gleichzeitig könnte das Bewertungssystem die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen für heimische und ausländische Firmen nivellieren, da alle Unternehmen den gleichen Mechanismen unterworfen wären. 

Sie können den neuen Monitor China’s Social Credit System” hier als PDF herunterladen.

Die Autorin

Das 2013 gegründete Mercator Institute for China Studies (MERICS)mit Sitz in Berlin ist weltweit eines der größten Institute der gegenwartsbezogenen und praxisorientierten China-Forschung. MERICS ist eine Initiative der Stiftung Mercator.

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