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China Update 9/2017

METRIX

Um 3.300 Prozent ist die Zahl der sogenannten Korrespondenzbanken gestiegen, mit denen chinesische Kreditinstitute mittlerweile im Ausland zusammenarbeiten. Nach einem Bericht der US-Firma Accuity stieg die Zahl von 65 Banken im Jahr 2009 auf 2.246 im vergangenen Jahr. Der enorme Sprung seit der Finanzkrise zeigt, dass chinesische Kreditinstitute wie die ICBC oder die Bank of China sich sehr schnell globalisieren, um chinesische Firmen bei ihrem Auslandsengagement unterstützen zu können.

THEMA DER WOCHE: CHINAS FORUM ZUR NEUEN SEIDENSTRASSE

Ein Containerzug weiht die Strecke zwischen Jinhua in der ostchinesischen Provinz Zhejiang und Kasachstan ein, Januar 2016. Quelle: Imagine China

Chinas Vision für die globale Entwicklung und Zusammenarbeit

Das „Belt and Road Forum for International Cooperation“ in Beijing soll Chinas Entschlossenheit untermauern, eine konstruktive Führungsrolle zu übernehmen und die internationalen Beziehungen nach seinen Vorstellungen zu formen. Vom 14. bis 15. Mai versammelt Staats- und Parteichef Xi Jinping 28 Staats- und Regierungschefs in Beijing. Er signalisiert damit, dass China bereit sein könnte, andere Regierungen an seinem außenpolitischen Prestigeprojekt zu beteiligen, der sogenannten „Neuen Seidenstraße“ („Belt and Road Initiative“). Im Rahmen des Land- und Seewege umfassenden Mammutvorhabens sollen Infrastruktur- und Handelskorridore zwischen China und Zentralasien, Südasien, Europa und Afrika entstehen.

Unter den ausgewählten Gästen werden die Präsidenten Russlands und der Türkei, Vladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan sein, zudem werden die Regierungschefs von Spanien, Italien und Polen erwartet. Andere EU-Staaten entsenden ranghohe Regierungsvertreter, Deutschland wird durch Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries vertreten.

Auf dem Treffen soll der Rahmen für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei BRI-Projekten abgesteckt werden. Die Vertreter westeuropäischer Länder hoffen auch, geoökonomische und geostrategische Auswirkungen des Projekts zu diskutieren. Manche chinesischen Investitionen in Zentralasien und Osteuropa sorgen hinsichtlich Transparenz und Nachhaltigkeit für Bedenken. 

UN-Generalsekretär António Guterres äußerte die Hoffnung, dass auf dem Forum neue Ansätze für die globale Entwicklung und internationale Zusammenarbeit gefunden werden. Vor seiner Abreise nach Beijing stellte sich Guterres im Gespräch mit chinesischen Medien hinter die von Chinas Präsident Xi Jinping auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgetragene Verteidigung der Globalisierung. Nötig seien „Initiativen der internationalen Solidarität, um zu erreichen, dass die Menschen an eine bessere Globalisierung glauben und daran, dass alle vom Freihandel profitieren können“.

Ob China in das BRI-Projekt auch andere Akteure maßgeblich einbinden wird, ist offen. Für den ersten Entwurf der Abschlusserklärung zum Gipfeltreffen am Wochenende hat Beijing Berichten zufolge keine externen Vorschläge eingeholt. Der G20-Gipfel in Hangzhou hat jedoch gezeigt, dass China in einem multilateralen Rahmen auch offen für Anregungen von außen ist. Insbesondere europäische Regierungen hoffen nun, dass das Forum zu einer weiteren Institutionalisierung der BRI-Initiative führen wird. China will jedoch die Federführung behalten, wie Staatsratskommissar Yang Jiechi in der Volkszeitung deutlich machte: China sei die führende Stimme der Initiative, sagte er. Diese sei aber kein Solo-Stück, „sondern eine Sinfonie, an der mehrere Länder mitwirken“.

MERICS-Analyse: "Belt and Road Forum: China’s global leadership experiment",  Blogpost von Jan Gaspers​

Lesen Sie auch Europe and China’s New Silk Roads - A Report by the European Think-tank Network on China (2016) mit Beiträgen von MERICS-Autoren

CHINA UND DIE WELT

Deutschland bleibt Zielland Nummer 1 für strategische Investoren aus China

Eine Vielzahl von hochrangigen Abkommen mit deutschen Partnern hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass strategische Investitionen in Schlüsselindustrien von Chinas verschärften Kapitalverkehrskontrollen weitgehend unberührt bleiben. Es zeigt sich vielmehr, dass der Trend in Richtung Qualität statt Quantität von Investitionen geht.

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch hat Anfang Mai angekündigt, dass er seine Anlassersparte an den chinesischen Autozulieferer Zhengzhou Coal Mining Machinery Group Co. (ZMJ) und den Investor CRCI verkaufen wird. Der Preis wurde nicht bekannt, Beobachter schätzen ihn jedoch auf mehr als 500 Mio. USD. Der Deal passt zum Streben chinesischer Unternehmen, ihre Produktionsfertigkeiten durch Technologieaufkäufe im Ausland aufzuwerten.

Beijing WKW Automotive Parts Co. kündigte eine Neuansiedlungsinvestition in Deutschland an. Das Unternehmen plant, 1,13 Mrd. EUR (1,24 Mrd. USD) in eine Fabrik für Elektrofahrzeuge in Sachsen zu investieren.

Die chinesische HNA-Gruppe bleibt einer der aktivsten Investoren im Ausland. Nach dem Kauf des Flughafens Hahn erhöhte der Großaktionär jüngst seinen Anteil an der Deutschen Bank von drei auf 9,9 Prozent. Er wird damit zum größten Anteilseigner des Finanzinstituts

Die enorme Steigerung chinesischer Direktinvestitionen in Deutschland hatte 2016 für eine intensive Debatte über den Ausverkauf sensibler Technologien gesorgt, insbesondere nach dem Verkauf des Roboterherstellers Kuka an die chinesische Midea-Gruppe.

In China wiederum wuchs die Angst vor einem zu großen Kapitalabfluss ins Ausland. Die chinesische Regierung ging mit erhöhten Kapitalverkehrskontrollen und stärkerer Überwachung von Investitionsaktivitäten dagegen vor, begann kürzlich allerdings bereits mit einer ersten Lockerung. Die Restriktionen scheinen in erster Linie Investitionen in prestigeträchtige Immobilienprojekte oder Sportclubs zu treffen. Strategische Investitionen in ausländische Industrien aber gelten weiterhin als zentral für Chinas wirtschaftlichen Umbau und dürften auch künftig weiter zunehmen.

Tausende Uiguren kämpfen in Syrien – die wenigsten auf Seiten des Islamischen Staats

Bis zu 5.000 Uiguren aus der von ethnischen Konflikten geprägten Autonomen Region Xinjiang im Nordwesten Chinas sollen als Kämpfer in Syrien im Einsatz sein. Diese Zahl nannte Syriens Botschafter in Beijing, Imad Moustapha, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Nur ein kleiner Teil von ihnen habe sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) angeschlossen. Die Mehrheit kämpfe „unter ihrem eigenen Banner“, so Moustapha, der damit eine Verbindung zu separatistischen Bestrebungen in China andeutete. „China und allen anderen Ländern sollte das ernsthafte Sorgen bereiten“, sagte der Botschafter am Rande eines Wirtschaftsforums in Beijing, auf dem Syrien für chinesische Investitionen warb.

Seine Äußerungen untermauern die Befürchtungen Chinas, wonach von der Unruhe-Region Xinjiang eine globale terroristische Gefahr ausgeht. Beijing macht islamistische Gruppen mit Verbindungen ins Ausland für Anschläge in China und außerhalb des Landes verantwortlich. Die syrische Regierung scheint dieses Bedrohungsszenario für engere Verbindungen mit China zu nutzen. 

Im Interview mit dem Hongkonger Sender Phoenix TV hatte Syriens Präsident Bashar al-Assad im März die „entscheidende“ geheimdienstliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gegen uigurische Kämpfer hervorgehoben. Der syrische Botschafter in Beijing lobte Chinas Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus im Gegensatz zu den Maßnahmen westlicher Regierungen.

Die Angaben der syrischen Regierung zur Zahl uigurischer Kämpfer in Syrien stimmen mit den Schätzungen anderer Quellen weitgehend überein. Auch diese gehen davon aus, dass ein Großteil der Kämpfer aus China nicht von der Terrormiliz Islamischer Staat rekrutiert wurde. Laut dem Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdulrahman, kämpfen die meisten der etwa 5.000 chinesischen Uiguren auf Seiten der „Turkestan Islamic Party“ (TIP) im Norden Syriens. Einem Bericht des israelischen Außenministeriums zufolge, der Informationen des militärischen Nachrichtendienstes und des Auslandsgeheimdienstes Mossad enthält, sind etwa 3.000 Uiguren aus Xinjiang Mitglieder der früher als Al-Nusra Front bekannten, radikalen Jabhat Fateh al-Sham.

INNENPOLITIK, GESELLSCHAFT UND MEDIEN

Rund 20.000 Autoren schreiben an chinesischem Gegenmodell zu Wikipedia

Die chinesische Führung will den öffentlichen Diskurs über Geschichte, Politik und aktuelle Entwicklungen bestimmen - in den chinesischen Medien, an Universitäten und auch in (Online-)Nachschlagewerken. Die frei und kollektiv erstellte Online-Enzyklopädie Wikipedia ist in China derzeit nur teilweise zugänglich. 91 Prozent der chinesischen Inhalte werden geblockt. 

Mehr als 20.000 Autoren arbeiten momentan an einer Online-Version der Chinesischen Enzyklopädie (中国大百科全书), die im nächsten Jahr an den Start gehen soll. 2011 war das Projekt vom Staatsrat genehmigt worden. Laut Chefredakteur Yang Muzhi ist die Online-Veröffentlichung als "Große Mauer der Kultur" angelegt und soll Wikipedia übertreffen.

Es folgt jedoch nicht dem Wikipedia-Prinzip, dass Nutzer zugleich als Autoren auftreten können. Es handelt sich um eine von der Regierung genehmigte Publikation, und die Autoren arbeiten an Universitäten und Forschungsinstituten.

Die fertige Online-Ausgabe der Chinesischen Enzyklopädie soll doppelt so umfangreich sein wie die Encyclopaedia Britannica und ungefähr so umfassend wie die chinesischsprachige Version von Wikipedia mit 300.000 Einträgen.  Die Chinesische Enzyklopädie war 1993 das erste Mal in gedruckter Form veröffentlicht, seit 2009 jedoch nicht mehr aktualisiert worden.

Trotz Zensur: Medien- und Unterhaltungsbranche will bis 2020 international mitmischen

China versucht den Drahtseilakt: Auf der einen Seite plant die Regierung, Chinas Kulturindustrie bis 2020 auf internationales Niveau zu hieven. Auf der anderen Seite will sie die Kontrollen – insbesondere der Online-Medien – noch ausweiten. Dieses Ziel enthält der Entwurf für den 13. Fünfjahrplan (2016-2020) zur kulturellen Reform und Entwicklung, der am 7. Mai von den Kanzleien von KPC und Staatsrat veröffentlicht wurde.

Das Dokument skizziert, wie China starke und global wettbewerbsfähige Akteure in der Kulturindustrie hervorbringen will, zu der neben dem traditionellen Kulturbetrieb auch die Unterhaltungsbranche und (Online-)Medien gehören. Durch Fusionen und die Reorganisation staatseigener Unternehmen sowie durch den Abbau von Hürden für privatwirtschaftliche Investitionen und Fusionen sollen finanziell erfolgreiche Zusammenschlüsse im Unterhaltungs- und Mediensektor entstehen ("national champions"). 

Gleichzeitig plant die Regierung, die Kontrolle über Webseiten und Online-Nachrichtenportale weiter zu verschärfen. Am 2. Mai hatte die Cyberspace-Behörde neue Regeln verabschiedet. Demnach dürfen Online-Plattformen künftig nur noch Nachrichten veröffentlichen, wenn sie über eine entsprechende staatliche Lizenz verfügen. Diese Regeln gelten ab 1. Juni, wenn auch das Cybersicherheitsgesetz in Kraft tritt. Betroffen sind nicht nur klassische Nachrichtenanbieter, sondern auch Webseiten, Smartphone-Anwendungen, Diskussionsforen, Blogs, Podcasts, Mikroblogging-Dienstleister oder Sofortnachrichtendienste.

Während die Internetindustrie mit Unterstützung rechnen kann, muss sie auch mit mehr Kontrollen und Zensur umgehen lernen. Es bleibt abzuwarten, ob chinesische Unternehmen angesichts dieser widersprüchlichen Vorgaben international erfolgreich sein werden. 

Xis Beiträge zur KP-Ideologie kommen vermutlich unter seinem Namen ins Parteistatut

Xi Jinpings Beiträge zur Partei-Ideologie könnten auf dem 19. Parteitag im Herbst 2017 unter seinem Namen in das Parteistatut aufgenommen werden: Als Hinweis darauf kann eine Rede von Li Zhanshu gewertet werden, Leiter der ZK-Kanzlei der Kommunistischen Partei Chinas (KPC). In seiner im Februar in interner Runde gehaltenen und erst kürzlich auf dem WeChat-Account der parteistaatlichen Volkszeitung sowie in der Zeitschrift Qiushi veröffentlichten Rede sprach Li von einer „Reihe bedeutender Reden Xi Jinpings“, die ein breites Spektrum von Themen abdecken. Xis Beiträge seien ein “im wesentlichen vollständiges Theoriesystem”.

Li bezog sich auf Reden Xis zur wirtschaftlichen Entwicklung und dem politischen System Chinas, zur nationalen Sicherheit und zum Militär. 

Seine Äußerungen werden auch als Hinweis darauf gewertet, dass Xis Theorien womöglich sogar nach ihm persönlich benannt werden.

Den meisten seiner Vorgänger war das nicht gelungen: Von Jiang Zemin fand das Konzept der „Dreifachen Repräsentation“ (三个代表) Eingang in das Parteistatut, Hu Jintao wurde mit der Formel des „Wissenschaftlichen Entwicklungskonzepts (科学发展观) verewigt.

Bislang fanden – neben dem Marxismus und Leninismus – nur Deng Xiaoping und Mao Zedong mit nach ihnen benannten Theorien Eingang in das Parteistatut. Xi wäre nach Mao sogar der Erste, dem dies zu Lebzeiten gelänge, Zeichen einer gestärkten Machtposition.

Private Think Tanks müssen der KPC dienen

Private chinesische Think Tanks stehen künftig unter stärkerem parteistaatlichen Einfluss. Eine entsprechende Richtlinie vom 4. Mai mit dem Titel "Ansichten über eine gesunde Entwicklung gesellschaftlicher Think Tanks" gibt vor, dass deren Aktivitäten den Zielen von Partei und Regierung dienen müssen. Diese Richtlinie wurde von insgesamt neun Institutionen auf ministerieller Ebene verabschiedet, darunter das Außenministerium und das Ministerium für Öffentliche Sicherheit.

Die privaten Think Tanks müssen künftig bei der zuständigen Behörde für zivile Angelegenheiten auf Provinzebene registriert werden, zudem werden sie von einer für Think Tanks zuständigen Abteilung überwacht. Im Gespräch ist auch ein neues Berichtswesen: Über größere Projekte wie öffentliche Kampagnen müssen die Think Tanks Rechenschaft ablegen, für die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern müssen sie eine Genehmigung einholen. Auch große Veranstaltungen und Spenden aus dem Ausland müssen vorab angemeldet werden.

Gleichzeitig sollen private Think Tanks sich jedoch am internationalen Austausch beteiligen und sind dazu angehalten, sich mit ausländischen Organisationen auszutauschen. Denn es ist im Interesse von Staat und Partei, dass chinesische Think Tanks international prominenter in Erscheinung treten.

Nachdem Xi Jinping vor zwei Jahren dazu aufgerufen hatte, "Think Tanks neuen Typs mit chinesischen Besonderheiten" zu entwickeln, entstanden viele neue private Think Tanks: Bis Ende 2016 waren 435 Denkfabriken in China registriert. Nur die USA stehen im internationalen Vergleich vor China. Dennoch unterscheiden sich Chinas Think Tanks noch immer erheblich von ihren US-amerikanischen und europäischen Mitbewerbern, insbesondere in puncto internationale Sichtbarkeit und Forschungsqualität.

WIRTSCHAFT, FINANZEN UND TECHNOLOGIE

C919: Chinas Antwort auf Boeing und Airbus hebt ab

Chinas erstes weitgehend selbst entwickeltes größeres Passagierflugzeug hat am 5. Mai in Shanghai seinen Jungfernflug absolviert. Hergestellt wurde der Mittelstreckenjet C919 vom Staatsbetrieb Comac. Der C919 mit zwei Triebwerken, 158 Sitzen und einer Reichweite von 4.075 (bis 5.555) Kilometern ist das chinesische Pendant zu den meistverkauften Modellen von Airbus und Boeing (A320 bzw. 737).

Chinesische Medien feierten das Ereignis als "historischen Durchbruch". Für China ist die Entwicklung eines eigenen Flugzeugs für die zivile Luftfahrt gleichbedeutend damit, technologisch aufgeholt zu haben. Das Land will ein ernsthafter Wettbewerber auf dem bislang von westlichen Unternehmen dominierten Weltmarkt für Hochtechnologieprodukte werden.

China plant zunächst, sich im Inland selbst zu versorgen. Aber langfristig will das Land dem Duopol von Airbus und Boeing auch international Konkurrenz machen. Laut einer Marktanalyse von Boeing benötigt China in den nächsten 20 Jahren (2016-2035) fast 7.000 neue Flugzeuge.

Zwei Drittel davon werden sogenannte Schmalrumpfflugzeuge (mit einem Mittelgang) wie dem C919 sein. Comac liegen bereits 570 Aufträge für den C919 vor, vor allem von chinesischen Fluggesellschaften. Die europäische Regulierungsbehörde für Luftfahrtsicherheit hat mit einem Zertifizierungsprozess der C919 begonnen. Es dürfte jedoch noch mehrere Jahre dauern, bis die für die Zulassung nötigen Flugtests abgeschlossen sind. 

In Zukunft könnte der chinesische Hersteller auch für internationale Kunden attraktiv sein: der C919 ist rund 50 Mio. USD günstiger als Modelle von Boeing und Airbus.

Branchenkenner sind dennoch skeptisch, dass der neue Wettbewerber Boeing und Airbus mittelfristig ernsthaft gefährlich werden könnte. Zudem ist unklar, ob China die in der Industriestrategie „Made in China 2025“ festgelegten Ziele erreichen kann. Danach sollen bis 2025 zehn Prozent der Passagierflugzeuge für den chinesischen Markt von heimischen Herstellern produziert werden.

Doch die Flugzeugentwicklung in China verläuft langsamer als erhofft: Der Jungfernflug des C919 war eigentlich für 2014 geplant gewesen, außerdem ist die Produktion immer noch stark auf ausländische Zulieferer angewiesen. Der Motor des C919 stammt von dem französisch-amerikanischen Joint-Venture CFM, das Fahrwerk und das Kabinenluftsystem wurden von der Liebherr-Gruppe gefertigt. Räder, Bremsen, die Elektronik zur Flugsteuerung und die Hilfsturbinen stammen von U.S. Honeywell Aerospace.

MERICS-Analyse: „Der C919 gilt als ein erster Schritt in dem seit Jahrzehnten laufenden Versuch, das Duopol von Boeing und Airbus herauszufordern“, sagt Jost Wübbeke, Leiter des Programmbereichs Wirtschaft und Technologie am MERICS, dem „Wall Street Journal“. „Westliche Beobachter unterschätzen häufig Chinas Top-Down-Ansatz. Dieser verschwendet zwar Ressourcen, aber führt auch zu Ergebnissen.“

Chinesische Industrie steigert Gewinne angesichts guter Geschäftsergebnisse von Staatsunternehmen

Die Gewinne der chinesischen Industrie sind im ersten Quartal um 28,3 Prozent gestiegen. Die Erholung entspricht der stärkeren Nachfrage, die wiederum auf das höher als erwartet ausgefallene BIP-Wachstum zurückgeht. Auch eine Erholung des Produzenten-Preis-Indexes (PPI), inklusive Rohstoffpreisen, trug zur besseren Gewinnentwicklung bei den Unternehmen bei.

Eine allzu positive Deutung wäre jedoch irreführend. Das Gewinnwachstum wird sich wahrscheinlich wieder abkühlen, da sowohl das Wirtschaftswachstum als auch der PPI-Anstieg in den kommenden Monaten langsamer ausfallen dürften. Strukturelle Probleme in den Staatsunternehmen, die derzeit zu den Hauptstützen der Erholung zählen, bleiben bestehen. Ein starkes Gewinnwachstum in den Staatsunternehmen macht es vielleicht sogar noch schwieriger, weiterhin nötige Restrukturierungen und den Abbau von Überkapazitäten anzugehen.

Beim Gewinnwachstum ist zudem die schwache Ausgangslage der staatseigenen Betriebe im vergangenen Jahr zu berücksichtigen. Und ein genauerer Blick lässt ein deutliches Gefälle zwischen dem Gesamtwachstum (70,5 Prozent) und dem Wachstum der Hauptgeschäftsaktivitäten (18,0 Prozent) erkennen.

Im Gegensatz zu den Staatsbetrieben stiegen die Gewinne privater Unternehmen langsamer: Die Gesamtgewinne um 15,9 Prozent, die Gewinne der Hauptgeschäftsaktivitäten um 12,8 Prozent. Dies deutet auf eine ausgeglichenere Entwicklung hin.  

DER EUROPÄISCHE BLICK

Signal an China: EU einigt sich auf neues Anti-Dumping-Instrument

Es ist eine Reaktion auf das lähmende Ringen um Chinas Marktwirtschaftsstatus im vergangenen Jahr: Am 3. Mai einigten sich die Vertreter aller EU-Mitgliedstaaten auf neue Regeln für Anti-Dumping-Untersuchungen. Diese ermöglichen es unter anderem, die Unterscheidung zwischen Marktwirtschaften und Nicht-Marktwirtschaften nach WTO-Recht zu umgehen. Der Kompromiss soll am 11. Mai im Rat der Handelsminister formal verabschiedet werden.  

Mitte Dezember 2016 war die 15-jährige Übergangsfrist zur Anerkennung Chinas als Marktwirtschaft nach WTO-Standards abgelaufen. Bereits im Vorfeld hatte die EU - nach langem Ringen um eine gemeinsame Position - erklärt, dass sie China nicht explizit als Marktwirtschaft anerkennen würde. Dies entwickelte sich im vergangenen Jahr zu einem der größten Streitthemen zwischen China und der EU. 

Bereits im Juli 2016 hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, die Kontroverse durch die Aufhebung der generellen Unterscheidung zwischen Markt- und Nicht-Marktwirtschaften zu umgehen. Zugleich sollte die Methodik zur Überprüfung von Dumpingfällen überarbeitet und geschärft werden. Der Rat vertagte die Entscheidung über die neue Methodik jedoch seit Anfang des Jahres immer wieder, weil Italien sich gegen die aus seiner Sicht zu laxen Neuregelungen wehrte. 

Zukünftig werden nun EU-Schutzzölle auf Grundlage von nachgewiesenen Marktverzerrungen verhängt, dazu gehören zum Beispiel stark subventionierte Energiekosten für die Industrie im Exportland. Offen ist allerdings bislang noch, ob die europäische Lösung vor der WTO Bestand haben wird. Eine Beschwerde Chinas ist bereits anhängig. So birgt das Thema auch künftig noch Brisanz im Verhältnis zwischen Brüssel und Beijing.  

MAD MERIX

„Gefälschte Gäste“ zur Hochzeit: Der Bräutigam, der sich zu viel traute

Die meisten von uns wünschen sich, dass die eigene Hochzeit ein unvergessliches Ereignis wird. Das dürfte einem jungen Mann aus der Provinz Shaanxi in Nordchina gelungen sein - wenn auch sicher nicht so, wie er es sich erträumt hatte: Er wurde am Tag seiner Hochzeit festgenommen, nachdem die Familie der Braut erkannt hatte, dass die 200 Gäste, die sich als seine Familie und Freunde ausgaben, bezahlte Statisten waren.

Medienberichten zufolge schöpften die Verwandten der Braut Verdacht, als sie mit den anderen „Gästen“ ins Gespräch kamen. Diese stellten sich zwar als Freunde des Bräutigams vor, wollten aber nicht verraten, woher sie ihn kannten. 

Als die Zeremonie ohne jegliche Spur der Eltern des Bräutigams begonnen hatte, flog das Ganze endgültig auf: Die Polizei wurde herbeigerufen und nahm den jungen Mann in Gewahrsam.

In Interviews mit dem regionalen Fernsehsender Shaanxi TV gestanden die „Gäste" - vornehmlich Taxifahrer und Studenten - für ihr Erscheinen gut 80 Yuan erhalten zu haben. Über die Motive des Bräutigams ist nichts bekannt. Einige Medien spekulierten, die Familie der Braut habe die Ehe nicht gebilligt, weil ihr Freund zu arm war. Eine opulente Hochzeit sei sein Versuch gewesen, sie doch noch umzustimmen.

Das 2013 gegründete Mercator Institute for China Studies (MERICS)mit Sitz in Berlin ist weltweit eines der größten Institute der gegenwartsbezogenen und praxisorientierten China-Forschung. MERICS ist eine Initiative der Stiftung Mercator.

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