Shanghai container terminal

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MERICS Economic Indicators Q4/2018

Unter Druck: Chinas Wirtschaft schwächelt

Chinas Wirtschaftswachstum ist auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahrzehnten gefallen: Der anhaltende Handelskonflikt mit den USA, der Kampf der chinesischen Regierung gegen die hohe Staatsverschuldung und die überbordende Kreditvergabe trugen dazu bei, dass das Wachstum im Jahr 2018 nur 6,6 Prozent erreichte. Sogar die Regierung in Peking räumt inzwischen ihre Besorgnis offen ein: Die chinesische Wirtschaft stehe vor einem tiefgreifenden und komplizierten Wandel, mahnte Staats- und Parteichef Xi Jinping nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua kürzlich in einer Rede vor Provinz- und Ministerialbeamten.

Die Phase des ungewöhnlich stabilen Wachstums in der Ära Xi gehe ihrem Ende zu, analysieren die MERICS-Forscher Max J. Zenglein und Maximilian Kärnfelt in der neuesten Ausgabe der „MERICS Economic Indicators“. Beijing will nun mit weiteren Steuererleichterungen, regionalen Stimulus-Programmen und Infrastrukturinvestitionen gegenhalten. Doch auch das zunehmend schwierige internationale Umfeld – der ungelöste Handelskonflikt mit den USA und zunehmende internationale Kritik an Chinas offensiver Innovations- und Technologiepolitik – lassen eine baldige Erholung fraglich erscheinen.

Vor allem die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird 2019 genau zu beobachten sein: Das Lohnwachstum in China stagniert seit Jahren. Noch gibt es mehr freie Stellen als Arbeitskräfte, aber angesichts der verlangsamten Wirtschaftsentwicklung sind Unternehmen zögerlicher bei Einstellungen – eine Entwicklung, die der chinesischen Regierung im Vorfeld des hundertjährigen Gründungsjubiläums der Kommunistischen Partei im Jahr 2021 Sorgen macht. Deshalb haben nicht nur die Zentral-, sondern auch verschiedene Provinzregierungen Maßnahmen zur Stützung des Jobmarktes eingeleitet. Das Fazit der MERICS-Autoren: 2019 wird für Chinas Wirtschaft ein höchst herausforderndes Jahr.

In den „Economic Indicators“ untersuchen MERICS-Forscher chinesische Wirtschaftsdaten in Schlüsselbereichen wie Wachstum, Investitionen, Industrieproduktion, Finanzmärkten und Konsumentenstimmung. Die Analyse erscheint vierteljährlich jeweils nach Veröffentlichung der aktuellen chinesischen Wirtschaftszahlen.

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