Proteste in Streikhochburg Dongguan gehen deutlich zurück

Die Zahl der Arbeiterproteste im südchinesischen Dongguan in der Provinz Guangdong ist 2017 stark zurückgegangen. Das geht aus Erhebungen der Hongkonger Nichtregierungsorganisation „China Labour Bulletin“ hervor. Dongguan war in den vergangenen Jahren als Zentrum der Fertigungsindustrie auch ein Brennpunkt von Arbeiterunruhen gewesen, die unter anderem von Fabrikschließungen, Forderungen nach höheren Löhnen und einer besseren sozialen Sicherung angetrieben waren. 

Einen Höhepunkt erreichten die Streiks 2014 und 2015 im Zuge der Schließung und Verlagerung von Produktionsstandorten in andere chinesische Provinzen oder ins Ausland. Während in den ersten neun Monaten des Jahres 2015 noch 23 Prozent aller kollektiven Protestaktionen in Guangdong in Dongguan stattfanden, fiel diese Zahl im selben Zeitraum dieses Jahr auf nur acht Prozent, wie China Labour Bulletin schreibt. Guangdong war auch 2017 die chinesische Provinz mit den meisten Streiks. 

Die Behörden in Dongguan führen den Rückgang der Proteste auf ein neues Frühwarnsystem zurück, das die Eskalation von Arbeitskonflikten durch Mediation und Dialogprozesse verhindern soll. Ein anderer Grund für den Rückgang dürfte jedoch sein, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche kleine und mittelgroße Fertigungsunternehmen aus dem Niedriglohnsektor ihre Produktion an günstigere Standorte verlagert haben.

Auch im Dienstleistungssektor ist die Gesamtzahl der Streiks zurückgegangen. Aber insbesondere  bei Zustelldiensten führen Gehaltskürzungen, längere Arbeitszeiten und kürzere Lieferzeiten immer wieder zu Protesten. In der ersten Jahreshälfte 2017 lag die Zahl der von CLB dokumentierten Zwischenfälle im Bereich Vertrieb und Dienstleistungen mit 22 Prozent leicht über der Fertigungsindustrie mit 21 Prozent. Die meisten Proteste gibt es nach wie vor im Bausektor (40 Prozent). 

Arbeiterstreiks in China, Januar bis September 2017