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Trierer China-Gespräche 2018

Wie verändert die rasante Digitalisierung die chinesische Gesellschaft und wer gewinnt den internationalen Wettlauf um Künstliche Intelligenz (KI) und Big-Data-Anwendungen? Um diese Fragen ging es am 3. Dezember 2018 in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin-Pankow bei den Trierer China-Gesprächen.

Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen in China rund um Digitalisierung und KI standen im Zentrum des ersten Expertenpanels. Die Sicherheitsexpertin Sophie-Charlotte Fischer von der ETH Zürich erläuterte, dass Chinas Erfolge in diesen Bereichen auf einer Reihe von Faktoren beruht: dem Bereitstellen großer Summen Risikokapital, der stark anwendungsorientierten Entwicklung von Technologien und der Entwicklung von sekundärer Industrie um KI-Unternehmen herum. Der Handelsblatt-Journalist und Buchautor Stephan Scheuer betonte, dass mit Hilfe von Algorithmen langfristig die Planung wirtschaftlicher Prozesse in China wieder verstärkt zentral gesteuert und optimiert werden könnten, etwa im Bereich der Immobilienwirtschaft. 

Trierer China-Gespräche

Kristin Shi-Kupfer, Leiterin des Forschungsbereichs Politik, Gesellschaft, Medien am MERICS, wies schließlich darauf hin, dass die Digitalisierung und die Einführung von KI-basierten Technologien in der chinesischen Gesellschaft keineswegs völlig widerspruchslos hingenommen werden. Vielmehr machten sich laut Umfragen mittlerweile mehr als die Hälfte der chinesischen Bürger Sorgen um ihre privaten Daten. Zudem sei auch das gesellschaftliche Bonitätssystem, bei dem individuelles Verhalten durch Algorithmen bewertet und durch ein System aus Anreizen und Sanktionen beeinflusst werden soll, bislang noch kein zentral gesteuertes Projekt. Zunächst würde es auf lokaler Ebene umgesetzt, was zu sehr unterschiedlichen Ausprägungen führe.

Angesichts der rasanten und staatlich geförderten Digitalisierung und KI-Entwicklung in China betonten alle drei Experten die Notwendigkeit, in Europa mehr für Innovation und gemeinsame Standards in diesen Bereichen zu tun, um nicht von China abgehängt oder gar überrollt zu werden.

Wenn es um hochklassige Forschung zu Künstlicher Intelligenz geht, kann Deutschland derzeit noch sehr wohl mit China mithalten, wie in der zweiten Expertenrunde deutlich wurde. Hier drehten sich die Diskussion um die Frage: Ist China in Sachen Innovation noch Pionier oder bereits eine neue digitale Wirtschaftsmacht?

China sei bereits in vielen relevanten Forschungsfeldern weit fortgeschritten, stellte der Computerexperte Hans Uszkoreit vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in der Diskussion fest. Jedoch seien viele Projekte auf kurzfristige Erfolge ausgelegt und noch zu wenige Bemühungen auf Zukunftstechnologien ausgerichtet. Hier sei Europa in der Forschung gut aufgestellt, es hapere allerdings häufig an der Umsetzung in praktische Anwendungen. Uszkoreit kooperiert eng mit chinesischen Kollegen seines Fachgebiets und ist regelmäßig zu Forschungsaufenthalten in China.

Damit Deutschland in Zukunft bei Fragen der künstlichen Intelligenz mitreden könne, braucht es laut Uszkoreit eine umfassende, langfristige und strategische Technologieförderung, die auch bei Rückschlägen nicht gekürzt wird. Nur so könne die Abwanderung von Talenten in die USA oder sogar nach China vermieden werden.

Deutschland sei für China weiterhin ein wichtiger Zulieferer, wenn es um die Weiterentwicklung innovativer Bereiche wie KI geht, sagte Thomas Pattloch, Experte für Urheberrecht in der China-Abteilung der internationalen Anwaltskanzlei Taylor Wessing. In der Forschungszusammenarbeit mit China müsse angesichts der anhaltenden Ungleichbehandlung beim Marktzugang darauf gepocht werden, dass deutsche Firmen in China die gleichen Chancen haben wie chinesische in Deutschland. Deutsche Firmen und Forschungseinrichtungen müssten zudem bei innovativen Technologien ganz besonders auf einen Schutz ihres geistigen Eigentums achten.

Die Stadt Duisburg sucht aktiv die Kooperation mit chinesischen Partnern aus dem Hightech-Bereich, um die Ruhrgebietsmetropole in eine „Smart City“ zu verwandeln. Eine entsprechende Absichtserklärung mit dem Telekommunikationskonzern Huawei wurde im Januar 2018 unterzeichnet. Martin Murrack ist bei der Stadt Duisburg unter anderem für die Kontakte zu China zuständig. Er berichtete von der Zusammenarbeit mit Huawei. Es werde in Zukunft schwieriger bis unmöglich sein, auf Hightech-Produkte aus China zu verzichten, sagte er. Viele deutsche Unternehmen hätten sich beispielsweise aus dem Wettbewerb um die Entwicklung des Kommunikationsstandards 5G verabschiedet, während Huawei hier Vorreiter sei.

Die Trierer China-Gespräche bringen jährlich Experten aus Wissenschaft, Politik und Medien zusammen. Sie sind ein Kooperationsprojekt von MERICS mit der Bundesakademie für Sicherheitsstudien, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Alumni-Verein der Universität Trier.

Das erste Bild der Galerie wurden von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik bereitgestellt. Alle anderen Bilder stellte die Konrad-Adenauer-Stiftung bereit.

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