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Lunch Talk mit Bastian Giegerich und Meia Nouwens, Internationales Institut für Strategische Studien (IISS)

China ist in der Sicherheitspolitik zu einem zentralen Akteur herangewachsen. Das Land hat ehrgeizige Ziele: es will bis 2049 ein schlagkräftiges Militär aufbauen. Wie realistisch sind diese Vorhaben, wie kommt die Modernisierung der Volksbefreiungsarmee voran, die China mit Macht vorantreibt? Über diese und andere Fragen referierten Bastian Giegerich, Direktor des Programms für Verteidigungs- und Militäranalyse am Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS), und Meia Nouwens, wissenschaftliche Mitarbeiterin des IISS, am 1. März im MERICS Lunch Talk.

Mehr als nur „Aufholen“ bei militärischer Modernisierung

China verzeichnete mit etwa 150 Milliarden Dollar im Jahr 2017 nach den USA die zweithöchsten Verteidigungsausgaben der Welt. Da europäische Länder nicht im gleichen Maße in Verteidigung investierten wie die Volksrepublik, würden sich künftig zwischenstaatliche Beziehungen verändern und bisherige Vormachtstellungen verschieben, hob Giegerich hervor. Die Volksrepublik habe einen bemerkenswerten militärischen Modernisierungsprozess durchlaufen und große technologische Fortschritte gemacht. China mache weitaus mehr als „nur aufzuholen“ und die technologische Lücke zum Westen zu schließen. In einigen Bereichen habe China bereits aufgeschlossen, wodurch die Vormachtstellung westlicher Mächte im Bereich der Verteidigungsinnovationen in Frage gestellt werde.

Chinas Fortschritt in unterschiedlichen militärischen Bereichen

Meia Nouwens stellte aktuelle Entwicklungen in Chinas Verteidigungspolitik vor, die auch in der von IISS in diesem Jahr veröffentlichten Bestandsaufnahme „Military Balance“ ein Fokusthema ist. Das Land zeige sich mittlerweile von einer neuen Seite: Durch Modernisierung und Innovationen im Militärbereich sei China heutzutage ein ernstzunehmender Akteur in der globalen Sicherheitspolitik.

In vielen Bereichen sieht Nouwens die westliche Überlegenheit durch technologischen Vorsprung bröckeln. China habe bemerkenswerte Fortschritte in der Aufrüstung seiner Luftwaffe gemacht. Chinas erstes Kampfflugzeug habe operative Tests bestanden, auch mit Tarnkappenbombern werde experimentiert und unbemannte, bewaffnete Luftfahrzeuge seien in der Entwicklung. Die maritimen Streitkräfte machten ebenso Innovationssprünge wie Chinas Fähigkeiten in asymmetrischer Kriegsführung mittels fortschrittlicher Informationstechnologie. Im internationalen Vergleich mitspielen könne China bei der Entwicklung von Überschallflugzeugen sowie bei Experimenten mit Quantentechnologie, die auch militärisch einsetzbar sein könnte.

Wachsende Bedeutung Chinas in der globalen Sicherheitspolitik

Durch militärische Innovationen erweitere China nicht nur seine Präsenz in der Welt, betonte Nouwens. Auch Verteidigungsexporte gewinnen nach ihrer Beobachtung als Wirtschaftsfaktor für China an Bedeutung. Und auch wenn die Volksbefreiungsarmee seit den späten siebziger Jahren keine Kampferfahrung gemacht habe, sammele das chinesische Militär über die Zusammenarbeit mit westlichen, erfahrenen Streitkräften in UN-Friedensmissionen wichtige praktische und militärstrategische Erfahrung.

Ganz aufgeschlossen zu westlichen Streitkräften habe China noch nicht, so lautete Nouwens Fazit im Gespräch mit Helena Legarda, Expertin für Chinas Sicherheitspolitik am MERICS. „Aber es gibt viele Bereiche, in denen der Abstand kleiner wird.“ Auch die verstärkten chinesischen Aktivitäten in der europäischen Region, etwa im Mittelmeer, müssten aufmerksam verfolgt werden.

IISS und MERICS beobachten im Rahmen des China Security Project auf regelmäßiger Basis die sich ändernde Rolle Chinas in der globalen Sicherheitspolitik. Das Projekt untersucht die chinesische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, diplomatische Initiativen, die Verteidigungsindustrie, militärische Aktivitäten sowie die innenpolitischen Dynamiken, die Beijings politische Strategie bestimmen.