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MERICS China Lounge mit ARD-Journalistin Ariane Reimers

Über ihre Zeit als Korrespondentin in China berichtete am 11. Juli  die ARD-Journalistin Ariane Reimers in der MERICS China Lounge. Reimers arbeitete von 2010 bis 2015 für die ARD in Beijing.

Das Thema China in Nachrichtensendungen wie die „Tagesschau“ zu bringen, sei gar nicht so einfach, erzählte Reimers im Gespräch mit Kerstin Lohse-Friedrich. „Es ist schwer, chinesische Politik in einer Minute zwanzig zu erklären“, sagte die Journalistin. Hierzulande sei das Wissen über China zu gering, wichtige Akteure der chinesischen Politik seien dem hiesigen Fernsehzuschauer schlicht nicht bekannt. Über viele für China wichtige Themen werde deshalb oft gar nicht berichtet, wie etwa im Juni 2015 die Verurteilung des einst mächtigen Sicherheitschefs und ranghohen Politikers Zhou Yongkang zu lebenslanger Haft.

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Gelegentlich habe sie sich auch mit Vorwürfen von chinesischer Seite auseinandersetzen müssen, dass ausländische Journalisten zu „negativ“ über China berichteten, erzählte Reimers. Sie habe dann mit dem grundlegend anderen Nachrichtenverständnis argumentiert, das in Deutschland eher kritische Berichterstattung in den Vordergrund stelle. „Ich habe aber auch immer darauf hingewiesen, dass wir in ausführlichen Sendungen sehr wohl ein differenziertes Bild von China zu zeigen versuchen.“

Gerade für Fernsehjournalisten ist es in China immer noch nicht leicht zu berichten, wie Reimers erzählte: Denn diese brauchen neben Informationen immer auch Filmbilder zu ihren Geschichten. So könne es vorkommen, dass der Pförtner am Eingang das Filmteam plötzlich nicht zum Interviewpartner vorlässt. Als politisches Druckmittel werde nach wie vor die Ausstellung von Visa für Journalisten eingesetzt: „Visumsvergabe ist Machtpolitik“, sagte Reimers.

Eine Auszeit vom politischen Geschäft in Beijing bekam Reimers durch ein besonderes Projekt, das sie über mehrere tausend Kilometer „Mit dem Rad durch China“ führte. Ihre erste von zwei Reisen ging in die Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. In Begleitung eines Kollegen und eines Kamerateams bewegte sie sich dabei auf mehr als 3.000 Höhenmetern. Streckenweise ging es 50 Kilometer bergauf über staubige Höhenstraßen – „und trotzdem war es schön“, sagte Reimers. Für die Besucher der China Lounge hatte sie Szenen mitgebracht, in denen zu sehen ist, wie sie und ihr Kameramann von tonnenschweren Lastern mit geringem Abstand überholt werden. Fahrradfahren in China ist offenbar nicht nur Urlaubsvergnügen.

Ihre Routen plante Reimers akribisch am Schreibtisch. Sie wählte Orte aus, die bestimmte Themen der jeweiligen Provinz abbildeten; Politik, Folklore, Ethnien, Religion und Landschaften. Beim Dreh in der Provinz Qinghai allerdings musste das Filmteam seine Pläne kurzfristig ändern: Die Behörden wiesen es wegen angeblich fehlender Genehmigungen aus der Provinz aus, das Team musste in die Nachbarprovinz Gansu ausweichen.

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Besonders interessierte sich Reimers auch für das Leben der Menschen außerhalb der urbanen Zentren in China: Mit einem Kameramann reiste sie für zwei Wochen in ein Dorf an der Grenze zu Burma. Ungewohnt langsam erlebte sie den Alltag dort, der aus Feldarbeit, Fernsehen, der Verpflegung der Tiere und „viel Teetrinken“ bestand. Die Bauern, so stellte sich heraus, waren Christen, „mit deren Bibelfestigkeit wir nicht mithalten konnten“, sagte Reimers.

Als Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio kommt Reimers derzeit vor allem in Begleitung von deutschen Regierungspolitikern nach China. Seit diesem Jahr lebt sie in Berlin. „Daran muss ich mich noch gewöhnen, noch fühle ich mich in Beijing ein wenig mehr zu Hause.“