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China kennen, China können

Eine MERICS-Analyse zur China-Kompetenz in Deutschland

Matthias Stepan, Andrea Frenzel, Jaqueline IvesMarie Hoffmann

Die Analyse "China kennen, China können" ist eine Bestandsaufnahme der China-Kompetenz in Deutschland. Für die vom BMBF finanziell geförderte und dem Auswärtigen Amt (AA) unterstützte Untersuchung befragten die Autoren seit dem Herbst 2017 mehr als 50 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und gesellschaftlichen Verbänden, die in ihrer Tätigkeit mit China in Berührung kommen, zum Bedarf an China-Kompetenz. In Hintergrundgesprächen und durch eingehende Datenanalyse erhoben sie, welchen Stellenwert das Thema China an allgemein- und berufsbildenden Schulen hat, welche Hochschulen China-bezogene Studiengänge anbieten oder über zahlreiche Kooperationen mit dem Land verfügen.

In Gesprächen mit Bildungsexperten und Lehrkräften sowie durch die Analyse von Lehr- und Studienplänen verschafften sich die MERICS-Forscher zudem ein Bild des Stands des Chinesisch-Unterrichts an Schulen und an Hochschulen. Ein weiterer Schwerpunkt war die deutsch-chinesische Forschungskooperation, die in den vergangenen Jahren intensiviert wurde. Das zentrale Fazit der Untersuchung, die laut Untertitel „Ausgangspunkte für den Ausbau von China-Kompetenz in Deutschland“ liefern will: Bestehende Angebote zum Aufbau von China-Wissen an Schulen, Hochschulen und durch Aufenthalte im Land müssen ausgebaut und stärker staatlich flankiert werden.

Auf dieser Website können Sie die Executive Summary der MERICS-Analyse lesen. Eine leicht aktualisierte Fassung des kompletten China Monitors können Sie hier als PDF herunterladen.

Executive Summary

Ausbau von China Kompetenz in Deutschland ist eine Herausforderung

China hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant entwickelt und ist für Deutschland längst zu einem wichtigen wirtschaftlichen und politischen Partner geworden. China gehört heute zu den größten Volkswirtschaften der Welt und prägt durch umgreifende Initiativen wie die sogenannte Neue Seidenstraße oder Milliarden-Investitionen im Ausland – auch hierzulande – die globale Wirtschaftsentwicklung. Auf dem diplomatischen Parkett tritt China selbstbewusst auf und strebt verstärkt danach, eigene Vorstellungen von internationaler Zusammenarbeit zu etablieren. Durch geschickte Einflussnahme auf politische und wirtschaftliche Eliten, Medien, Zivilgesellschaft und Bildungsträger in anderen Ländern versucht es auch, Akzeptanz zu schaffen für sein autoritär geprägtes System.

Der Umgang mit diesem selbstbewussten China verlangt nach differenziertem Wissen über ein Land, dessen Bild in Deutschland heutzutage oft noch von überholten Vorstellungen und Klischees geprägt ist. China spielt heute eine wichtige Rolle bei der Lösung globaler Herausforderungen wie Klimaschutz, Globalisierung oder technischer Innovation. Chinesische Vorstellungen unterscheiden sich in mancher Hinsicht von hiesigen, etwa wenn es um Freiräume für gesellschaftliches Engagement und politische Mitwirkung von Bürgern geht.

Es gilt, im Angesicht unterschiedlicher Auffassungen bei vielen Themen immer wieder auszuloten, wo es Raum gibt für Kooperationen mit China und wo eine kritische Auseinandersetzung nötig ist. Doch nur wer das Gegenüber kennt, kann im Dialog klare und sachliche Gegenargumente bringen. In Diplomatie, Rechtswissenschaft und im politischen Entscheidungsprozess wird zunehmend Expertise nötig sein, um chinesische Vorstöße einzuordnen und angemessene Antworten finden zu können.

Aber wie ist es derzeit bestellt um die „China-Kompetenz“ in Deutschland? Dieser Frage widmet sich die vorliegende Untersuchung. Sie gibt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – einen Überblick über die hiesigen Bildungsangebote in Bezug auf China. Durch die Auswertung statistischer Daten und von in mehr als 100 Einzelinterviews gewonnenen Informationen, ergänzt durch eine in kleinem Rahmen durchgeführte Schülerumfrage, soll auch ein Einblick gegeben werden in den Stand und den bestehenden Bedarf an China-Kompetenz.
 

Viele Aktivitäten zur Bildung von China-Kompetenz

Was gehört eigentlich zur China-Kompetenz? In seiner China-Strategie hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) den Begriff definiert als all jene Fähigkeiten und Kenntnisse, die für eine erfolgreiche Kooperation mit China entscheidend sind. Dazu gehören neben Sprachkenntnissen und interkulturellen Fähigkeiten auch ein Grundverständnis von Chinas Wirtschaft, Politik, moderner Geschichte und Gesellschaft sowie berufsspezifisches Wissen. Diese Fähigkeiten zu erwerben, ist schwierig: Chinesisch ist eine komplexe Sprache, vor allem die Schrift zu erlernen verlangt Zeit, Hartnäckigkeit und Geduld.

Angesichts der wachsenden Bedeutung Chinas sind Menschen gefragt, die sich mit dem gegenwärtigen China auseinandersetzen wollen und auf verschiedenen Ebenen eine tiefere Kenntnis dieses vielfältigen Landes erwerben wollen. Diesem Bedarf tragen deutsche Bildungsinstitutionen bereits Rechnung: In den Fachwissenschaften wird versucht, chinabezogene Inhalte in Curricula einzubauen. Auch Schulen und Berufsschulen haben verstärkt entsprechende Angebote. Deren Ausweitung scheitert zurzeit aber auch am Mangel von Lehrern mit fundierten China-Kenntnissen.
 

Wirtschaftsvertreter sehen großen Bedarf an Wissen über China

Für viele Unternehmen und Wirtschaftsverbände hat China in ihrer Arbeit heute bereits eine große Bedeutung, und die Kontakte dorthin werden sich in den kommenden Jahren weiter intensivieren. Sie sind zunehmend angewiesen auf Mitarbeiter mit zumindest grundlegenden Chinesisch-Kenntnissen, sie benötigen ein Grundverständnis der Gestaltungs- und Machtstrukturen in China sowie Kenntnisse über staatliche Pläne, Förderinstrumente und rechtliche Rahmensetzungen. Gerade für Praktiker ist es zudem zentral, Informationen über passende Ansprechpartner und Kontakte für ihre Branche zu bekommen.

In der Praxis stellt sich häufig die Frage, ob der fachlichen Expertise oder dem Erwerb von Sprachkenntnissen und interkulturellen Kompetenzen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden soll. Im Studium oder der Ausbildung ist es häufig nicht möglich, alles gleichzeitig zu erwerben.

Die gestiegene wirtschaftliche und politische Aktivität Chinas wirft auch gesellschaftliche Fragen auf: Wenn chinesische Firmen deutsche Unternehmen aufkaufen, wirkt sich das auf die Firmenkultur aus, in den betroffenen Regionen steigt der Bedarf an Informationen über China. Wenn chinesische Bildungsträger wie Konfuzius-Institute ihre Kursangebote kontinuierlich verbreitern, könnten sie angesichts der oftmals geringen Vorkenntnisse ihres deutschen Zielpublikums deren China-Bild nachhaltig beeinflussen.

Um solche Entwicklungen zu analysieren und Strategien für den Umgang damit zu entwickeln, braucht es Experten mit vertieftem China-Wissen.

    In Schulen bleibt China noch ein Randthema

    Für den Großteil der rund elf Millionen Schüler in Deutschland bleibt China bislang ein Randthema. Ein Blick in die Bildungs- und Lehrpläne zeigt: Die Auseinandersetzung mit China ist bislang nur selten explizit vorgesehen. China taucht selbst in Fächern wie Erdkunde, Geschichte oder Wirtschaft oft nur selten auf.

    Ob und in welcher Tiefe China in den Unterricht an allgemeinbildenden Schulen Einzug hält oder als Beispiel eingebaut wird, hängt noch immer weitgehend von den Vorkenntnissen und Neigungen der Lehrkräfte ab. Da jedoch die meisten Lehrer nur über Grundkenntnisse zum gegenwärtigen China verfügen und es an aktuellen Unterrichtsmaterialien mangelt, stagniert der Ausbau  von China-Aktivitäten an deutschen Schulen.

    An beruflichen Schulen sieht es ähnlich aus. Offiziell gibt es auch hier wenig Raum für chinasspezifische Inhalte. Einzelne Schulen haben ihr Angebot an Sprachunterricht und interkulturellem Training in den letzten Jahren ausgebaut. Häufig ging dies auf regionale Initiativen und das Engagement einzelner Lehrkräfte zurück. Einzelbeispiele in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (Ausbildung zum China-Kaufmann) zeigen, dass spezifische Zusatzangebote große Resonanz fanden.

    Handlungsempfehlungen für Entwicklung von China-Kompetenz an Schulen und Berufsschulen

    China-Wissenschaftler sollten bei der Erarbeitung von Wissensangeboten von Schulbehörden oder Ministerien regelmäßig zu Rate gezogen werden und auch durch Vorträge an Schulen zur Vermittlung von China-Wissen beitragen.

    • Eine zentrale Website von Bildungs- und Kultusministerien oder Online-Angebote von Schulbuchverlagen sollten Lehrern Informationen zu China zugänglich machen.
    • Ein- bis zweitägige Schulungen zum gegenwärtigen China sollten in bestehende Fortbildungsprogramme für Lehrer aufgenommen werden.
    • Am Beispiel China können viele Zusammenhänge der globalen Entwicklung anschaulich betrachtet werden. Deshalb empfiehlt es sich, China in Oberstufen Seminaren oder in Projektwochen als Schwerpunkt-Thema zu behandeln.
    • Eine aktive finanzielle Förderung von Lehrer-Fortbildungen zu Sprache, interkulturellem und fachlichen Wissen könnte an den Berufsschulen einen wichtigen Beitrag leisten, dort qualitativ hochwertige Angebote zur Vermittlung von China-Kompetenz zu etablieren.
    • Wirtschaftsverbände und Einzelunternehmen sollten Auszubildende ermuntern, Zeit in China zu verbringen. Der Erwerb von Zusatzqualifikationen für die Arbeit mit China sollte stärker finanziell gefördert werden.
       

      Chinesisch etabliert sich nur langsam als Sprachangebot an Schulen

      Chinesisch-Unterricht hat sich an deutschen Schulen in den vergangenen 20 Jahren in Deutschland vom Zusatzangebot vielerorts zum festen Bestandteil des Regelunterrichts entwickelt. Die Angebote unterscheiden sich je nach Bundesland teils erheblich, insgesamt ist aber eine deutliche Professionalisierung des Fachs zu beobachten. Neben der Überarbeitung von Lehrplänen befindet sich insbesondere die universitäre Ausbildung von Chinesisch-Lehrkräften im Aufbau. Seit 2011 ist das Studienangebot „Chinesisch auf Lehramt“ an deutschen Universitäten kontinuierlich erweitert worden.

      Bislang unterrichten unter den geschätzten 120 Lehrkräften vor allem Seiteneinsteiger: Sinologen und chinesische Germanisten, denen nachträglich eine Lehrbefähigung erteilt wurde. Daneben assistieren jährlich 20 bis 30 sogenannte Fremdsprachenassistenzkräfte (FSA) aus China und Taiwan im Chinesisch-Unterricht.

        Der zukünftige Bedarf an Chinesisch-Lehrkräften mit Staatsexamen ist schwer zu prognostizieren. In Deutschland stagnieren derzeit die Chinesisch-Schülerzahlen bei etwa 5000 pro Jahr, sie sind in einigen Bundesländern seit etwa 2014 sogar deutlich rückläufig. Ein Blick zu den europäischen Nachbarn Großbritannien und Frankreich zeigt, dass dort viel mehr Schüler Chinesisch lernen: In Frankreich sind dies mit rund 38.000 etwa sieben Mal so viele wie hierzulande.

        Handlungsempfehlungen für den Ausbau von Chinesisch-Unterricht an Schulen

        • Schulen sind der ideale Ausgangspunkt für den Ausbau von China-Kompetenz in der Breite und Spitze. Langjähriger, kompetenz- und standardorientierter, d.h. schulisch voll integrierter und etablierter Chinesisch-Unterricht schafft wichtige Voraussetzungen für mehr China-Kompetenz.
        • Chinesisch als reguläres Unterrichtsfach in jedem Bundesland zu etablieren, würde den Stellenwert des Fachs stärken.
        • Mehr Schulen sollten möglichst frühzeitig Chinesisch als zweite oder dritte Fremdsprache anbieten. So wäre das Fach besser in den Schulalltag integrierbar und stellte keine zusätzliche Belastung für Schüler dar.
        • Konsequente Unterstützung des Fachs auf politisch-administrativer Ebene sollte sich in einer besseren Finanzierung ausdrücken (z.B. in Form von entfristeten Verträgen für Lehrkräfte und Investitionen in neues Lehrmaterial und digitale Infrastruktur).
        • Die von der chinesischen Regierung finanzierten Konfuzius-Klassenzimmer können trotz der offensichtlichen Eigeninteressen Pekings, was die Vermittlung eines positiven China-Bildes angeht, ein sinnvolles Ergänzungsangebot sein. Der schulische Chinesisch-Unterricht muss jedoch grundsätzlich in deutscher staatlicher Zuständigkeit bleiben.
        • Digitales Schreiben hat das Potential, die Schriftzeichenproblematik zu entschärfen.

        An Hochschulen ist Annäherung an China über diverse Wege möglich

        An deutschen Hochschulen nimmt China seit Mitte der neunziger Jahre einen wachsenden Stellenwert an. Nicht nur an den derzeit 18 Instituten und Fachbereichen für Sinologie spielt die Auseinandersetzung mit China eine Rolle. Auch die deutsch-chinesischen Hochschulkooperationen der Technischen Universitäten und der Fachhochschulen bergen große Chancen, den Auf- und Ausbau von China-Kompetenz nachhaltig zu stärken. Gleichzeitig erfordert ihre Umsetzung auch Mitarbeiter, die tieferes Wissen über China mitbringen.

        Neben einem Studium der Sinologie im Hauptfach gibt es zahlreiche andere Möglichkeiten, sich im Studium mit China zu befassen. Von Sinologie als Nebenfach über interdisziplinäre Studiengänge mit China-Schwerpunkt, Zusatzangebote und Zertifikate reichen bewährte Formate bis zu deutsch-chinesischen Studienprogrammen und Doppelabschlüssen.

        Nur wenige deutsche Studierende erreichen jedoch derzeit ein Niveau, sich spontan und fließend auf Chinesisch verständigen und auch komplexere Texte verstehen zu können. Auch China-Aufenthalte wären für den intensiven Spracherwerb sehr wichtig. Leider stagniert seit einigen Jahren die Zahl der deutschen Studierenden, die an einem chinabezogenen Studium und einem längeren Aufenthalt im Land interessiert sind. Fachbezogene Kurse in China – zum Beispiel für Wirtschaftswissenschaftler – finden vor allem dann Akzeptanz, wenn sie auf Englisch angeboten und in Deutschland angerechnet werden. Für Studierende attraktiv sind auch in China und Deutschland anerkannte Doppelabschlüsse. Doch solche Angebote sind wegen rechtlicher Hürden derzeit noch die Ausnahme.

        Deutsche Hochschulen stehen vor erheblichen Herausforderungen, geeignete institutionelle Partner auf chinesischer Seite zu finden, Kooperationen anzubahnen und vertraglich zu fixieren. Es fehlen regelmäßig aktualisierte, zentral aufbereitete Informationen über chinesische Hochschulen und deren Qualität.

        Handlungsempfehlungen für den Aufbau von China-Kompetenz an Hochschulen

        • Die Etablierung von Doppelabschlussprogrammen sollte von staatlicher Seite finanziell gefördert und – wo nötig – politisch flankiert werden. Best-Practice-Modelle könnten deutschen Hochschulen als Orientierungspunkt dienen.
        • Die Inhalte solcher Programme sollten die Bedürfnisse der Studierenden berücksichtigen, um diese für halb- bis ganzjährige Aufenthalte in China zu gewinnen.
        • Ein Erfahrungsaustausch von Vertretern verschiedener Hochschulen zu Themen der Lehre, Verwaltung und zu rechtlichen Fragen könnte die an der Kooperation mit China beteiligten Lehrkräfte und Verwaltungsmitarbeiter deutlich entlasten.
        • Auch Verwaltungsmitarbeiter von Hochschulen sollten in Workshops geschult werden, um mit Fragen der Anberaumung, dem Abschluss und der Begleitung von Kooperationen vertraut gemacht zu werden. Wünschenswert wäre die Erarbeitung allgemein zugänglicher Informations- und Schulungsmaterialien.

        China-Aufenthalte sind eine wichtige Voraussetzung für die Wissensvertiefung

        Aufenthalte in China sind eine unverzichtbare Voraussetzung für den Aufbau einer umfassenden China-Kompetenz. Es gibt inzwischen weit mehr als 100 Förderprogramme, die China-Aufenthalte von unterschiedlicher Dauer unterstützen. Diverse Akteure – von Bundesministerien, gemeinnützigen Organisationen wie öffentlichen und privaten Stiftungen bis hin zu Privatunternehmen – beteiligen sich daran. Seit kurzem stellen auch chinesische Akteure wie der China Scholarship Council verstärkt Mittel zur Verfügung. Zu den Zielgruppen der verschiedenen Projekte zählen Schüler, Studierende, Absolventen, Freiwillige, Wissenschaftler sowie junge Berufstätige.

        Seit 2011 sind die Zahlen der Schüler rückläufig, die sich für einen längeren Aufenthalt in China entscheiden. Auch die Bewerberzahlen für Kurzzeitaufenthalte im Rahmen der PASCH-Initiative sind demnach zurückgegangen und stagnieren. Lediglich unter Berufsschülern und -ausbildern steigt das Interesse an direkten Kontakten mit China. Insgesamt scheint die wachsende Zahl der Angebote längerfristig die Nachfrage qualifizierter Bewerber zu übersteigen.

        Vielfältige Gründe könnten für diese – der Herausbildung von China-Kompetenz nicht zuträgliche – Entwicklung verantwortlich sein: Neben Visa-Problemen schrecken kritische Medienberichte über China, der wahrgenommene Mangel an Lebensqualität in chinesischen Großstädten und die hohe Luftverschmutzung potentielle Kandidaten ab. An kurzen China-Aufenthalten sind Schüler, Studierende und Graduierte stärker interessiert als noch vor einigen Jahren. Diese reichen allerdings nicht aus, um sich fundiertes Wissen über China anzueignen.

        Handlungsempfehlungen zur Förderung von Aufenthalten in China

        • Programme müssen mit Mitteln ausgestattet werden, die Aufenthalte im Land im Rahmen einer Ausbildung ermöglichen.
        • Nötig sind bessere Informationen darüber, was sich Interessierte von solchen Aufenthalten erhoffen und wie ihre Ansprüche befriedigt werden könnten.
        • Bei Gruppen-Aufenthalten – etwa von Schülern – müssen Möglichkeiten einer vereinfachten Antragstellung, Durchführung und Dokumentation ermittelt werden. Vereinfachungen könnten den Arbeitsaufwand vor allem bei Lehrern deutlich verringern.
        • Die Einrichtung einer zentralen Webseite mit Informationen zu Fördermöglichkeiten für China-Aufenthalte wäre dringend angeraten. Gleichzeitig könnten dort Erfahrungsberichte von Teilnehmern eingestellt werden, um Interesse für einen Aufenthalt in China zu wecken.
           

        Forschungskooperation bietet Chancen zur Vertiefung von China-Kompetenz

          Im Forschungsbereich gehört China inzwischen zu Deutschlands wichtigsten Partnern. China hat in den vergangenen Jahren in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen stark aufgeholt und ist für Einrichtungen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Max-Planck-, Leibniz- oder Helmholtz-Gemeinschaft sowie die Fraunhofer-Institute und auch individuelle Hochschulen als Partner interessanter geworden. Viele der genannten Institutionen unterhalten inzwischen eigene Büros in China.

          Mit dem Stellenwert Chinas in der Forschung steigt die Notwendigkeit für deutsche Wissenschaftler, sich mit dem Land auseinanderzusetzen. Im weltweiten Vergleich war China 2015 nach den USA das beliebteste Zielland: 704 Wissenschaftler gingen in diesem Jahr zu Forschungszwecken in die Volksrepublik. Sprachliche und kulturelle Unterschiede stellen jedoch auch in der Forschungskooperation häufig eine große Hürde dar.

          Die Einschätzungen zur notwendigen Sprachkompetenz fielen sehr unterschiedlich aus. Generell schätzten Wissenschaftler, die keinerlei Chinesisch können, diese als deutlich weniger wichtig ein als diejenigen mit geringen bis sehr guten Sprachkenntnissen. Die Mehrzahl der Forscher mit Chinesisch-Kenntnissen wiederum bezeichnete diese als unabdingbar für eine erfolgreiche Kooperation. Gleichzeitig fällt auf, dass viele deutsche Wissenschaftler sich chinesische Muttersprachler ins Team holen, statt selbst Sprachkompetenz aufzubauen.

          Genaue Kenntnisse über das chinesische Forschungs- und Hochschulsystem sind essentiell für erfolgreiche und nachhaltige Forschungskooperationen. Vor allem Dachorganisationen in der deutschen Forschungslandschaft – wie DAAD und DFG – verfolgen diesbezüglich aktuelle Entwicklungen und dienen als Anlaufstelle für Forscher, die Kontakt zu China suchen. Bislang fehlt allerdings eine übergeordnete Koordination und regelmäßiger Informationsaustausch über Erfahrungen aus bestehenden gemeinsamen Projekten mit China.

          Handlungsempfehlungen für den Ausbau von China-Kompetenz in der Forschungskooperation

          • Forschungsrelevante Rechtsfragen (beispielsweise Patentrechte, Schutz persönlicher Daten) und Fragen des Umgangs mit politischer Einflussnahme auf Forschungsprojekte beschäftigen viele Forscher in der Zusammenarbeit mit China. Eine zentrale Anlaufstelle, die systematisch Informationen über schwierige Fälle auswertet, könnte Wissenschaftler und Verwaltungsmitarbeiter von Forschungseinrichtungen erheblich entlasten.
          • Einzelne Forschungsorganisationen können manche Probleme der Zusammenarbeit gegenüber chinesischen Partnern oft alleine nicht lösen. Die bereits jetzt häufig praktizierte politische Flankierung durch Ministerien wie BMBF, AA oder andere übergeordnete Behörden sollte verstärkt werden.
          • Empfehlenswert ist ein Austausch über Herausforderungen der Zusammenarbeit mit China und die Diskussion von Best-Practice-Modellen im Rahmen regelmäßiger Workshops. Kompaktseminare könnten Nachwuchswissenschaftlern, die an einem Projekt mit China-Bezug teilnehmen, helfen, sich über Chinas Forschungssystem oder rechtliche Fragen zu informieren.
          • Ein „Online-Wegweiser“ könnte, an zentraler Stelle angesiedelt, praktische Hinweise zum Thema Forschungskooperation mit China geben. Ein gegebenenfalls passwortgeschützter Informationspool könnte zum Beispiel rechtliche Rahmenbedingungen für deutsche Akteure in China, Standardinhalte von Kooperationsverträgen mit chinesischen Partnern oder Informationen zu Entwicklungen einzelner Forschungsgebieten in China verfügbar machen.

          Fazit: China-Wissen entsteht auf verschiedenen Ebenen

          Um mit China konstruktiv und ohne Reibungsverluste interagieren zu können, wird es künftig eines größeren Reservoirs an Experten bedürfen, die verschiedene Wissensfelder über das Land abdecken. Wie dieses Forschungsprojekt zeigt, ist eine der größten Herausforderungen für die Herausbildung von China-Kompetenz, dass diese parallel zu einer Fachausbildung realistisch kaum zu erwerben ist. Um dieses Dilemma aufzulösen, empfiehlt es sich, auf verschiedenen Stufen und Ebenen der Ausbildung Angebote zum Erwerb von China-Wissen zu etablieren. Chinesisch-Kenntnisse, soziokulturelles Wissen über China sowie interkulturelle Kompetenz sollten zentrale Bestandteile dieser Angebote sein.

          Übergreifende Handlungsempfehlungen

          • Die Berührung mit der chinesischen Sprache sollte möglichst früh erfolgen, damit Hemmschwellen abgebaut werden und ein differenzierter Umgang mit dem Land erleichtert wird.
          • Begegnungen im Rahmen von Austausch und Partnerschaften mit stimmigen inhaltlichen und didaktischen Konzepten fördern Interesse und Lernmotivation.
          • Austausch und Kooperation zwischen chinesischen und deutschen Partnern erfordern Mobilität in beide Richtungen. Schwierige Visabedingungen sind derzeit oft ein Hindernis.
          • Bildungsangebote chinesischer Anbieter sind eine sinnvolle Ergänzung. Insgesamt sollten Angebote zur Erhöhung von China-Kompetenzen von staatlicher deutscher Seite gezielt begleitet und gefördert werden.
          • Eine unabhängige Service-Stelle „China-Kompetenz“ könnte dazu beitragen, vorhandene China-Expertise systematisch zu vernetzen und zu bündeln. Informationen hierzu liegen derzeit oft dezentral vor und sind für Interessierte mitunter schwer auffindbar. Diese Stelle sollte außerhalb von bestehenden Strukturen eingerichtet werden, um mit hoher Sichtbarkeit zu agieren.
          • Jährliche Erhebungen der Angebote zur Vermittlung von China-Kompetenz könnten Aufschluss darüber geben, wie sich deren Ausbau gestaltet. Die Zuständigkeit dafür könnte der genannten zentralen Service-Stelle übertragen werden.
          • Kurzfristig angesetzte Workshops zu aktuellen Entwicklungen in China könnten Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen Empfehlungen an die Hand geben. Thematische Schwerpunkte könnten der Austausch zu Best-Practice-Beispielen und über Vorgehensweisen im Umgang mit chinesischen Partnern sein.
          • Zentrale Webseite zu Bildungsangeboten für den Aufbau von China-Kompetenz: Diese könnte eine interaktive Deutschlandkarte mit Schulen enthalten, die Chinesisch als Fremdsprache anbieten. Sinnvoll wären eine Datenbank mit allen Angeboten für China-Stipendien, Informationen über China und zu wichtigen Akteuren, wie etwa Ministerien, Förderinstitutionen oder – für die Wirtschaft – Handelskammern mit spezialisierten China-Abteilungen.
          • „China-Roadshows“: In Kooperation mit den Landeszentralen für politische Bildung und China-Experten aus Hochschulen und der Wirtschaft könnten Veranstaltungen in mittelgroßen deutschen Städten über Angebote zu China informieren.
          • Jährliche Treffen von Schulen mit Chinesisch als Fremdsprache: Um Chinesisch als Fremdsprache an Schulen zu fördern, sollte jährlich in Kooperation mit Partnern wie beispielsweise dem Fachverband Chinesisch ein Treffen mit Vertretern von Schulen mit Chinesisch-Angebot ausgerichtet werden. . Um den Stellenwert der Veranstaltung zu unterstreichen, sollte dieser unter der Schirmherrschaft des Sekretariats der Kultusministerkonferenz und des BMBF stattfinden.
          • Rückgriff auf das Wissen von China-Experten: Eine China-Alumni-Plattform, die Stipendiaten verschiedener Programme in den Regionen und überregional zusammenbringt, könnte helfen, den Austausch zu aktuellen China-Themen zu intensivieren. Diese Maßnahme ist direkt anschlussfähig an die vom BMBF geförderte DCHAN-Initiative (Deutsch-chinesische Alumnifachnetzwerke).

           

          Hier können Sie eine leicht aktualisierte Fassung des kompletten China Monitors "China kennen, China können" als PDF herunterladen.

          Zusätzlich können Sie die Online-Anhänge 1 und 2 zum China Monitor "China kennen, China können" als PDF herunterladen.

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