Konferenz von MERICS und dem Deutsch-Japanischen Zentrum, Berlin

12. Juni 2017

Die Frage, wie fortschrittliche digitale Technologien und das Internet die industrielle Fertigung verändern, beschäftigt derzeit Experten weltweit. Auch in China, Japan und Deutschland werden Strategien für den Übergang in eine digitalisierte und vernetzte Produktion entwickelt. China will im Rahmen des Masterplans „Made in China 2025“ in den kommenden Jahren seine Industrie modernisieren. Deutschland arbeitet unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ daran, Internet-Techniken und klassische automatisierte Industrie zusammenzubringen. Japan strebt gar nach einer weitreichend vernetzten „Smart Society 5.0“. In Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Japanischen Zentrum in Berlin veranstaltete MERICS am 12. Juni 2017 eine Tagung zum Thema. Kooperationspartner waren das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und das japanische Fujitsu Research Institute.

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Industrievertreter, Wirtschaftspolitiker und Wissenschaftler aus allen drei Ländern tauschten sich über die anstehenden Herausforderungen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus. Unter dem Titel „The Future of Manufacturing“ diskutierten sie über die Chancen, aber auch offenen Probleme der „intelligenten“ Produktion. Eine bessere Vernetzung von Prozessen verspricht Effizienzgewinne, wenn zum Beispiel Bestellungen direkt in der Fabrik eintreffen und die Herstellung passgenau auf die Wünsche der Kunden eingestellt werden kann. Sogenannte „Smart Technologies“ können dazu beitragen, Produktionskosten zu senken und die Sicherheit am Arbeitsplatz erhöhen. „Digitalisierung verändert die Spielregeln“, sagte Björn Conrad, Vize-Direktor Forschung am MERICS, bei der Begrüßung der Teilnehmer im Deutsch-Japanischen Zentrum in Berlin-Zehlendorf.

Festsetzung gemeinsamer Standards für Software und Sicherheit ist unverzichtbar

Doch wie sicher sind eine vernetzte Produktion oder in Clouds gespeicherte Unternehmensdaten, wenn Software gehackt werden kann? Wer setzt die Standards für digitale Produktion? Die Konferenzteilnehmer loteten in Podiumsdiskussionen aus, inwieweit in diesen drängenden Fragen eine engere Zusammenarbeit möglich ist. Die Antwort darauf ist nicht leicht, denn einerseits teilen Unternehmen in China, Japan und Deutschland das Ziel, die neuen Techniken gewinnbringend einzusetzen. Andererseits befinden sie sich auch im Wettbewerb. Doch gerade bei der Festsetzung von Standards für Sicherheit und Software-Schnittstellen ist internationale Kooperation unverzichtbar, um die Risiken von Vernetzung beherrschbar zu machen: Deshalb brauche es Bereiche, in denen die Länder auf Augenhöhe beraten könnten, so ein Fazit der Diskussionen.

Die Panel-Teilnehmer diskutierten, welche Rahmenbedingungen die Politik schaffen müsste, stellten konkrete Geschäftsmodelle und Forschungsstände vor. Es wurde deutlich, dass die drei Länder in Bezug auf die Digitalisierung der Industrie noch auf unterschiedlichen Stufen stehen. In den Industriestaaten Deutschland und Japan sind Automatisierungstechniken seit Jahrzehnten in vielen Branchen im Einsatz und immer weiter verfeinert worden. Hierzulande ist vor allem für Klein- und Mittelständler die Hürde hoch, digitale Vernetzungstechniken in die eigene Produktion einzuführen. Japan hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, nicht nur die Industrie zu vernetzen. Das Land investiert in Forschung zum Internet der Dinge oder Künstliche Intelligenz, um auch Energieversorgung, Wohnungen, Gesundheitsversorgung und Verkehrssysteme zu vernetzen und damit letztlich eine „Super Smart Society“ zu schaffen.

China hat noch nicht ganz aufgeschlossen, in der Industrieproduktion sind viele Bereiche noch nicht einmal automatisiert – der Weg zu einer chinesischen Industrie 4.0 ist dort noch weit. Im Gegensatz zu Deutschland, wo industrielle Innovation vor allem von den Unternehmen selbst ausgeht, treibt in China in erster Linie der Staat die Entwicklung voran. Gleichzeitig bringt eine junge Generation von Unternehmern viel Dynamik in die einheimische IT-Branche.

China könnte bald zu Japan und Deutschland aufschließen

China könnte in den kommenden Jahrzehnten zu Deutschland und Japan aufschließen, was die Digitalisierung zumindest bestimmter Industriebranchen angeht. Das Land investiert massiv in Forschung und Entwicklung, es hat weltweit die meisten Absolventen von Ingenieursstudiengängen. Allerdings haben gerade kleinere oder mittelgroße Unternehmen wenig Berührungspunkte mit der Forschungsszene; sie wissen oft zu wenig über Innovationsmöglichkeiten. 

Neben den noch zu vagen rechtlichen Rahmen und fehlenden Standards definierten die Konferenzteilnehmer das Thema Datensicherheit als zentrale Herausforderung. Die Teilnehmer betonten die Notwendig der Zusammenarbeit bei der Formulierung nationaler Regeln für den Cyberraum. Da durch die Digitalisierung mehr Daten gesammelt und ausgetauscht werden, sei es wichtig, Unternehmen vor Cyber-Angriffen zu schützen.

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Transparenz und intensiver Austausch

Transparenz und intensiver internationaler Austausch seien angesichts der vielen offenen Fragen unverzichtbar, wenn die Digitalisierung und Vernetzung von Industrien erfolgreich sein solle, sagte Jost Wübbeke von MERICS in seinem Vortrag. Die deutsch-japanisch-chinesische Konferenz war hierfür ein erster wichtiger Schritt, darüber waren sich die Teilnehmer einig.