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China unter Abwärtsdruck

Szenarien der wirtschaftlichen Entwicklung – Rückwirkungen auf das China-Engagement

Sebastian Heilmann analysiert die sich verdichtenden Krisenanzeichen in Chinas Wirtschaft. Er entwickelt vier mögliche Entwicklungsszenarien. Chinas Wirtschaft, so Heilmann, verfüge über das Potenzial, sowohl die Talsohle als auch die darauf folgende Aufwärtsentwicklung schneller zu durchlaufen als die meisten historischen Transformationsökonomien. Hierfür allerdings müsste Chinas Regierung entschlossen die Deregulierung für private und ausländische Investoren in Branchen vorantreiben, die bislang durch protektionistische Praktiken und staatliche Oligopole gekennzeichnet sind. Eine solche fundamentale Stärkung des Privatsektors zu Lasten staatlicher Kontrolle aber sei mit der derzeitigen politischen Führung kaum vorstellbar.

Deshalb sei das wahrscheinlichste Szenario ein „vertagter Strukturwandel“. Um das Wachstum aufrechtzuerhalten, werde die Führung in Peking ihre Staatsausgaben weiter steigern, obwohl viele kommunale Regierungen bereits überschuldet sind. Der Nutzen neuer Stimulusprogramme aber werde gering sein, da überwiegend etablierte Branchen und der Staatssektor von solchen Maßnahmen profitierten. Im Kern könnten sich aus der vorhersehbaren Prozessfolge (Stimulus - Verschuldung - Überkapazitäten - Deflation - Stagnation) deutliche Analogien zu Japans makroökonomischen Erfahrungen seit Beginn der 1990er-Jahre ergeben. Doch im Gegensatz zu Japan berge eine mehrjährige Stagnationsphase in China ein hohes Risiko für eine politische Systemkrise in sich.

Heilmann umreißt auch die Rückwirkungen auf das China-Engagement ausländischer Investoren. Er kommt zu dem Schluss, dass deutsche Investitionsgüter und Automobile in China nicht mehr das bisherige Nachfragewachstum erreichen werden. Eine Diversifizierung über China hinaus sei aufgrund der Ungewissheiten in Chinas Wirtschaftspolitik und Marktentwicklung unumgänglich.

Das 2013 gegründete Mercator Institute for China Studies (MERICS) mit Sitz in Berlin ist weltweit eines der größten Institute der gegenwartsbezogenen und praxisorientierten China-Forschung. MERICS erforscht wichtige Themen- und Handlungsfelder der Beziehungen mit China, vermittelt Erkenntnisse aus der Forschung in die Öffentlichkeit hinein und stellt Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft China-Expertise zur Verfügung. MERICS ist eine Initiative der Stiftung Mercator.

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