Pressemitteilung
2 min read

Diskussionsveranstaltung: 30 Jahre nach der Tiananmen-Protestbewegung

Wieviel Raum hat Chinas Gesellschaft heute?

Das Mercator Institute for China Studies (MERICS) und die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb erinnern in Berlin an die chinesische Demokratie- und Protestbewegung im Sommer 1989 und diskutieren über die gesellschaftlichen Spielräume in China.

In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 1989 ließ Chinas Regierung die politischen und sozialen Proteste rund um den Platz des Himmlischen Friedens in Peking mit einem Armeeeinsatz niederschlagen. Dies bedeutete das Ende einer breiten Protest- und Demokratiebewegung. In Peking, Shanghai und weiteren Städten Chinas hatten Hundertausende Bürger wochenlang gegen Korruption und für mehr politische und gesellschaftliche Freiheiten demonstriert. An die Ereignisse vom 4. Juni 1989 darf bis heute in China nicht erinnert werden – weder in Schulen, noch in den Medien oder im Internet.

30 Jahre nach diesen Ereignissen erinnern die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb und das Mercator Institute for China Studies (MERICS) im Rahmen der Abendveranstaltung „30 Jahre nach der Tiananmen-Protestbewegung: Wie viel Raum hat Chinas Gesellschaft heute?“ an diese in China fast vergessene Bewegung für mehr Demokratie und Rechtstaatlichkeit. Die Veranstaltung findet am 3. Juni 2019 im Berliner Auditorium Friedrichstraße statt. Führende Chinaexperten aus den USA und Deutschland diskutieren die Bedeutung des 4. Juni 1989 für die aktuellen Entwicklungen in China mit Kristin Shi-Kupfer, Leiterin des Programmbereichs Politik, Gesellschaft und Medien am MERICS:

Professor Perry Link, Princeton University und Herausgeber der Tiananmen-Papers, lebte im Frühjahr 1989 in Peking. Für ihn ist die Niederschlagung der Proteste vom 4. Juni ein Wendepunkt in der Geschichte Chinas. „Die kommunistischen Führer, die sahen, dass ihre sozialistische Ideologie jetzt nutzlos war, setzten fortan auf ungezügeltes Geldverdienen, eine enge Form des Nationalismus und die Unterdrückung freien Denkens. Diese giftige Mischung hat China an den Rand eines Abgrunds gebracht.“ Felix Lee, langjähriger China-Korrespondent der taz und von Zeit-Online, sagt: „Wohlstand statt Freiheit - 30 Jahre nach Tiananmen funktioniert diese Formel immer schlechter.

China dürfte schon bald wieder vor einer Zäsur stehen". Professorin Sandra Heep, Expertin für chinesische Wirtschaft an der Hochschule Bremen, sagt: “In den 30 Jahren nach den Tiananmen-Protesten hat China immense wirtschaftliche Erfolge erzielt. Heute aber wachsen mit der zunehmenden politischen Repression - nicht zuletzt für ausländische Unternehmen - auch die wirtschaftlichen Risiken.” Für Professor Daniel Leese, Sinologe und Historiker an der Universität Freiburg, wiederum markiert die Niederschlagung der Protestbewegung „[…]das Ende des moralischen Anspruchs der Kommunistischen Partei Chinas, das Land auf Basis breiter öffentlicher Zustimmung zu regieren. Sie führte zu einer Erosion gesellschaftlichen Vertrauens und politischer Ideale."

Die Veranstaltung fand in englischer Sprache statt und wurde simultan ins Deutsche übersetzt.

Wann: Montag, 3. Juni 2019, 19 bis 21 Uhr (Einlass ab 18:30 Uhr)
Wo: Auditorium Friedrichstraße, Friedrichstr. 180, 10117 Berlin