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Die Belt and Road Initiative in Pakistan: Chinas Vorzeigeprojekt

Die Pläne für einen Wirtschaftskorridor zwischen Pakistan und China reichen in die Zeit vor Beginn der Belt and Road Initiative (BRI) zurück. Das Projekt wurde bereits im Sommer 2013 ins Leben gerufen, als der damalige pakistanische Ministerpräsident Nawaz Sharif Chinas Premierminister Li Keqiang in Beijing traf. Der Fokus lag darauf, den pakistanischen Hafen in Gwadar, in den Beijing investiert hatte, über Straßen, Eisenbahnen und Pipelines mit China zu verbinden. Das Projekt war auf fünf Jahre angelegt und die angekündigten Summen – zwischen 10 und 20 Milliarden USD – waren bescheiden verglichen mit Chinas heutigen Ambitionen in Pakistan.

Diese Pläne wurden später Teil des sogenannten chinesisch-pakistanischen Wirtschaftskorridors (China-Pakistan Economic Corridor, CEPC), der im April 2015 ausgerufen wurde, während eines Besuches des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Pakistan. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf die Energieerzeugung in Pakistan, und die geschätzten Kosten wuchsen auf 46 Milliarden USD. In einem langfristig angelegten Plan dehnten die beiden Regierungen den Zeitrahmen für die Umsetzung bis zum Jahr 2030 aus. Die Kostenschätzung ist seither auf mindestens 62 Milliarden USD gestiegen.

CEPC-Projekte (siehe diese Liste auf einer pakistanischen Regierungsseite) machen den Großteil der BRI-bezogenen Projekte in Pakistan aus und ihre offiziellen Ziele stimmen mit jenen in chinesischen BRI-Strategiedokumenten überein. CPEC umfasst jedoch nicht alle gemeinsamen chinesisch-pakistanischen Infrastrukturprojekte, die den BRI-Zielen entsprechen. Auch gibt es nicht bei allen CEPC-Projekten eine direkte chinesische Beteiligung. Entsprechend der Methodologie des MERICS Belt and Road Trackers haben wir alle Projekte erfasst, die BRI-Zielen dienen.

Energieerzeugung ist Schwerpunkt der ersten Phase

Die Karte oben bildet eine größere Zahl von Projektkategorien aus der MERICS BRI-Datenbank ab als frühere Darstellungen. Unter den neuen Kategorien sind fossile Brennstoffe, Atomkraftwerke und Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sowie Übertragungskabel, Glasfaserkabel, Autobahnen, Flughäfen und öffentlicher Nahverkehr.

Obwohl die Idee eines Transport-Korridors im Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit steht, macht die Energieerzeugung den Großteil aller fertig gestellten CPEC-Projekte aus. Wenn man von Beijing ausgeführte oder finanzierte Projekte mitzählt, die nicht als Teil von CPEC vermarktet wurden, steigt der Anteil der Energieprojekte sogar noch weiter – auf 90 Prozent der gesamten Kosten aller Projekte. Das entspricht den Zielen für die erste Phase des chinesisch-pakistanischen Langzeitplans, die die chronischen Versorungslücken im pakistanischen Energiesektor schließen soll – eine Voraussetzung für den Aufbau einer industriellen Basis und für die Vernetzung mit China nach 2020.

Drei Jahre nach dem offiziellen Start von CPEC im Jahr 2015 bestätigt die MERICS-Datenbank dessen häufige Darstellung als Vorzeigeprojekt der BRI. Pakistan hat von allen Zielländern den größten Anteil chinesischer Finanzierung an allen fertig gestellten Projekten. Mehr als 15 Milliarden USD chinesischer Direktinvestitionen und Krediten sind in größeren Projekten gebunden, darunter auch solche, die noch im Bau befindlich sind.

Hinter dem chinesischen Fokus auf Pakistan stehen drei teils widersprüchliche Motive: China fördert die pakistanische Wirtschaftsentwicklung, um den Rückhalt für separatistische und islamistische Gruppen an seiner Grenze zu mindern. Beijing hat ein Interesse an der Stabilisierung seines militärischen Verbündeten als strategischem Gegengewicht zu Indien in Südasien. Und es nutzt die intransparenten Ausschreibungsregeln und den Mangel an anderen Investoren, um die Profite chinesischer Unternehmen zu maximieren.

Geschäftsinteressen untergraben die Entwicklungsagenda

Die politische Instabilität im Nachbarland Pakistan ist für die chinesische Regierung ein ständiger Anlass zur Sorge. Sie will militante uigurische Aufständische aus Chinas Autonomer Region Xinjiang daran hindern, Trainingsmöglichkeiten und Unterstützung in der pakistanisch-afghanischen Grenzregion zu finden, und sie möchte die Handelsrouten zum Indischen Ozean und dem Nahen Osten sichern. Beijing steht auf dem Standpunkt, dass staatlich gelenkte chinesische Investitionen zur Wirtschaftsentwicklung und damit zur Verbesserung der Sicherheitslage beitragen können.

Zudem bleibt Pakistan für China nützlich, um seinen geopolitischen Konkurrenten Indien in Schach zu halten. Als Nuklearmacht, zu der es auch durch Chinas Hilfe wurde, bildet Pakistan einen Puffer und ein Gegengewicht bei chinesisch-indischen Grenzstreitigkeiten. Und es schwächt Chinas Gegenspieler, indem es einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit absorbiert. Diese Rolle würde noch verstärkt, falls Pakistan seinem strategischen Partner erlauben würde, die zweite chinesische ausländische Militärbasis neben Dschibuti im Hafen von Gwadar zu eröffnen.

Das dritte Ziel droht die beiden ersten zu untergraben. Für chinesische Unternehmen ist die BRI ist ein Instrument, um ihre weltweiten Marktanteile zu steigern und das langsamere Wachstum in einem zunehmend saturierten Heimatmarkt auszugleichen. Chinesische Firmen hatten bereits eine starke Präsenz in Pakistan, als die BRI verkündet wurde und konnten diese sehr schnell ausweiten, ohne sich in offenen Ausschreibungen auf die geplanten Projekte bewerben zu müssen. Dazu kommt, dass chinesische Unternehmen sich in vielen Fällen langfristige vertragliche Rechte für den Betrieb der von ihnen gebauten Straßen- oder Energieinfrastruktur sicherten. Dies bringt ihnen langfristige Gebühreneinnahmen zu garantierten hohen Preisen.

Für Pakistan bedeuten diese hohen Preise einen Wettbewerbsnachteil gegenüber regionalen Konkurrenten wie Bangladesch. Chinesische Investitionen könnten das Wachstum der pakistanischen Industrie auf diese Weise bremsen und die Wirtschaftsentwicklung behindern, die China aus sicherheits- und geopolitischen Gründen fördern will.

Sie können eine Version der Karte in hoher Auflösung hier herunterladen. Eine interaktive Version finden Sie hier.

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