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Deutsche Regierung stoppt Verkauf einer Chipfabrik an einen chinesischen Käufer

Das schwedische Unternehmen Silex, das sich in chinesischem Besitz befindet, will die Produktionsstätte des deutschen Chipherstellers Elmos übernehmen. Das deutsche Wirtschaftsministerium hat das Geschäft nun gestoppt. MERICS-Expertin Antonia Hmaidi kommentiert:

Hintergrund: 
Die deutsche Firma Elmos stellt integrierte Geräte (Entwurf und Herstellung von Chips) für Fahrzeuge her. Sie hat bereits eine ihrer Produktionsstätten in Duisburg aufgegeben. Elmos will ein weiteres Werk in Dortmund, das Chips mit veralteter 350-Nanometer-Technologie herstellt, an das schwedische Unternehmen Silex Microsystems verkaufen. Silex ist die weltweit größte Fabrikationsfirma für mikroelektronische mechanische Systeme (MEMS), Besitzer ist das chinesische Unternehmen Sai Microelectronics.

Warum Elmos verkaufen will und warum dies als unkritisch angesehen werden könnte:
Die Technologie, die für die Produktion von Chips verwendet wird, ist veraltet, kann aber für MEMS-Chips verwendet werden. Andere Hersteller wie Bosch und Infineon verfügen ebenfalls über diese Fähigkeiten, so dass der Verlust der Elmos-Anlagen der europäischen Chip-Branche nicht schaden würde. China kann MEMS auch bereits jetzt selbst im Inland produzieren. Elmos wollte seine Produktionsanlagen aus Wettbewerbsgründen verkaufen. Als Alternative zum schwedisch-chinesischen Kauf bleibt nun vermutlich nur die Schließung der Fabrik. 

Warum das deutsche Wirtschaftsministerium den Verkauf gestoppt hat:
Der Bundesverfassungsschutz hatte vor dem Verkauf gewarnt, und zwar nicht wegen Bedenken hinsichtlich eines Technologietransfers, sondern wegen der Abhängigkeitsprobleme. Europa verfügt nur über geringe Produktionskapazitäten für Halbleiter, und der Verkauf einer dieser Anlagen an ein chinesisches Unternehmen droht die Abhängigkeit von China weiter zu erhöhen. Darüber hinaus hat China ein klares strategisches Interesse signalisiert, Marktführer bei Nischenprodukten wie MEMS zu werden. Sai Microelectronics hat zudem Verbindungen zum chinesischen Militär, und MEMS haben eindeutige militärische Anwendungen. Zudem wurde das Unternehmen eindeutig vom chinesischen Staat durch Subventionen unterstützt. Die Investitionspläne der chinesischen Eigentümer in Europa sollten auch nach strategischen Gesichtspunkten bewertet werden.

Gesamtbewertung: 
Es ist ermutigend, dass die deutsche Regierung Übernahmeangebote unter chinesischer Führung nun sorgfältiger prüft. Es ist richtig, über den Technologietransfer hinaus auch Abhängigkeitsstrukturen und strategische Ziele der chinesischen Seite in den Blick zu nehmen. Entscheidungen müssten aber besser koordiniert werden, damit die deutsche Wettbewerbsfähigkeit keinen Schaden nimmt. Elmos zum Beispiel wurde zunächst Zustimmung signalisiert. Es kommt jetzt darauf an, Transaktionen nicht einfach zu verbieten, sondern diese Fragen in Zukunft systematischer und transparenter zu handhaben. Entscheidend ist auch, sich mit gleichgesinnten Partnern zu beraten. Betroffenen Unternehmen und Beschäftigten müssen Perspektiven geboten werden, z.B. in Form von Unterstützung durch staatlich geförderte Kredite für Nachrüstungen oder Umrüstungen. 
 

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